Zurück zur Übersicht
BerlinSchriftliche AnfrageDie Linke

📄 Rückbau der Forschungsreaktoren BER I und BER II in Wannsee

25. März 2026Dokument 19/25399 · WP 19Berlin
Franziska Brychcy
RückbauForschungsreaktorRadioaktiver AbfallEndlagerungStrahlenschutz
Originaldokument (PDF)

📋 Worum geht es?

Die Anfrage befasst sich mit dem geplanten Rückbau der beiden Forschungsreaktoren BER I und BER II am Helmholtz-Zentrum Berlin (HZB) in Wannsee. Thematisiert werden das laufende atomrechtliche Genehmigungsverfahren, die Öffentlichkeitsbeteiligung, anfallende radioaktive Abfälle, deren Lagerung sowie die Kosten des Rückbaus.

👥 Wer ist betroffen?

Betroffen sind das Helmholtz-Zentrum Berlin für Materialien und Energie (HZB) als Antragstellerin, die Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt als atomrechtliche Genehmigungsbehörde, Anwohner und Einwenderinnen/Einwender im Rahmen der Öffentlichkeitsbeteiligung (u.a. der BUND), sowie der Bund (BMFTR) als Mitfinanzierer.

🎯 Was wird vorgeschlagen?

Die Fragestellerin fragt u.a.: Welche Ergebnisse brachte die Öffentlichkeitsbeteiligung zum BER-II-Rückbau? Welche Auswirkungen hat sie auf das Genehmigungsverfahren? Welche Mengen schwach-, mittel- und hochradioaktiven Materials fallen an? Wie lange bleiben die Abfälle radiologisch relevant? Wo und wie lange sollen sie zwischen- bzw. endgelagert werden und mit welchen Kosten? Über welche Transportwege erfolgt der Abtransport? Ist eine Zwischenlagerung in Wannsee geplant? Wo sollen Materialfreimessungen erfolgen? Wie bewertet der Senat die Stellungnahme des BUND? Wie sehen die Zeitpläne für BER I und BER II aus, gibt es Pläne zur Verbindung beider Rückbauvorhaben, und mit welchen Gesamtkosten wird jeweils kalkuliert?

🔎 Was wurde geantwortet?

Laut Antwort des Senats wurden im Rahmen der Öffentlichkeitsbeteiligung Einwendungen zu über 40 Themenbereichen eingebracht, die derzeit in einer nicht-öffentlichen Online-Konsultation mit der HZB erörtert werden. Beim Rückbau des BER II sollen laut HZB-Antragsunterlagen 315 Tonnen feste schwach- und mittelradioaktive Abfälle an ein Bundesendlager sowie 36 Tonnen feste radioaktive Reststoffe und 692 Tonnen radioaktive Abwässer an die Zentralstelle für radioaktive Abfälle gehen; zudem fallen 66 abgebrannte Brennelemente (410 kg Masse, davon 100 kg Kernbrennstoff) als hochradioaktiver Abfall an. Die Halbwertszeiten variieren stark (z.B. Co-60 ca. 52,7 Jahre, Sr-90 ca. 290 Jahre, Am-243 ca. 73.700 Jahre bis zur radiologischen Unbedenklichkeit nach 10 Halbwertszeiten); Endlager müssen laut Antwort eine Standsicherheit von 1 Mio. Jahren gewährleisten. Schwach- und mittelradioaktive Abfälle sollen zunächst zwischengelagert und ab Anfang der 2030er Jahre in das Endlager Schacht Konrad verbracht werden; Brennelemente sollen laut HZB-Planung nicht vor 2027 ins Zwischenlager Ahaus (NRW) abtransportiert werden. Zu Lagerkosten liegen dem Senat keine Informationen vor. Der Abtransport soll per LKW über die Zufahrt des HZB-Geländes erfolgen. Eine Freimessanlage in Wannsee wird laut HZB als mögliche Option angesehen, ist aber noch nicht beschlossen. Zur Stellungnahme des BUND antwortet der Senat, diese werde wie andere Einwendungen mit der HZB erörtert und im Genehmigungsverfahren fachlich bewertet. Ein Zeitplan für den BER-II-Rückbau liegt laut Antwort noch nicht vor. Eine Verbindung des BER-I- mit dem BER-II-Rückbau ist laut HZB derzeit nicht vorgesehen; die Berliner Wissenschafts- und Umweltverwaltung hält eine Verknüpfung zwar für die effizientere Lösung, konnte sich damit aber beim Bund (BMFTR) und im HZB-Aufsichtsrat bisher nicht durchsetzen. Für den BER-II-Rückbau wurde 2021 eine erste Kostenschätzung von 322 Mio. Euro vorgenommen, die aktuelle Schätzung (Stand 31.12.2025) liegt bei 457 Mio. Euro; die Finanzierung erfolgt zu 90% durch den Bund und zu 10% durch das Land Berlin. Für den BER-I-Rückbau wurde laut einer HZB-Kostenschätzung nach DIN 276 (Stand Juli 2023) ein Betrag von 17.619.385 Euro ermittelt; eine weitere Kostenschätzung für den Zeitraum 2016-2026 wird im Dokument erwähnt, der zugehörige Text bricht jedoch ab.

⚡ Einordnung

Die Anfrage wurde von der Abgeordneten Franziska Brychcy (Die Linke) am 2. März 2026 eingereicht; die Antwort des Senats datiert vom 17. März 2026. Konkrete Zahlen der Senatsantwort: 315 Tonnen schwach-/mittelradioaktive feste Abfälle, 36 Tonnen feste radioaktive Reststoffe, 692 Tonnen radioaktive Abwässer, 66 Brennelemente (410 kg, davon 100 kg Kernbrennstoff) als hochradioaktiver Abfall; Kostenschätzung BER II: 322 Mio. Euro (2021) auf 457 Mio. Euro (Stand 31.12.2025) gestiegen, Finanzierung 90% Bund/10% Land; Kostenschätzung BER I: 17.619.385 Euro (Stand Juli 2023). Der Senat verweist zudem auf die Antragsunterlagen im UVP-Portal des Bundes. Zur vom BUND vorgelegten Stellungnahme äußert der Senat keine eigene inhaltliche Bewertung, sondern verweist auf das laufende Erörterungsverfahren.

Quelle: Berlin, Dokument 19/25399, Wahlperiode 19, eingereicht 2. März 2026

Quelle im Parlamentssystem

Diese Zusammenfassung wurde mit Hilfe künstlicher Intelligenz erstellt und dient ausschließlich Informationszwecken. Für rechtsverbindliche Auskünfte konsultieren Sie bitte das Originaldokument.