📄 Zerstört der A100 West Umleitungsverkehr auf Dauer die Königin-Elisabeth-Straße?
📋 Worum geht es?
Seit dem Abriss der Ringbahnbrücke am Dreieck Funkturm wird der Verkehr über eine Nahumfahrung West geleitet, wodurch laut den Fragestellern der Durchgangsverkehr rund um die Königin-Elisabeth-Straße stark zugenommen hat. Die Fragesteller berichten von Staus, blockierten Radwegen, verstopften Nebenstraßen und sichtbaren Schäden an Straßendecke und Abwasserstruktur. Die Anfrage behandelt Schutzmaßnahmen für Anwohnende, den Zustand der Infrastruktur, Auswirkungen auf Busverbindungen des Schienenersatzverkehrs sowie mögliche weitere verkehrsberuhigende Maßnahmen.
👥 Wer ist betroffen?
Anwohnende der Königin-Elisabeth-Straße und angrenzender Nebenstraßen im Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf, Fuß- und Radverkehr, Fahrgäste der Buslinien 143, M49, X34, 218, M45 und der ehemaligen Linie 139 (Schienenersatzverkehr), sowie die Bezirksverwaltung Charlottenburg-Wilmersdorf.
🎯 Was wird vorgeschlagen?
Die Fragesteller wollen unter anderem wissen: Welche konkreten Maßnahmen verhindern, dass Autoverkehr durch Wohnstraßen ausweicht? Welche Schutzmaßnahmen gegen Lärm und Luftbelastung gibt es, und welche sind geplant? Warum gibt es kein veröffentlichtes Umleitungskonzept? Warum verzögern sich Lärm- und Schadstoffgutachten? Welche Schäden an Leitungen und Straßenbelägen sind eingetreten? Auf welcher Datengrundlage wird von überwiegendem Zielverkehr ausgegangen? Wie stark sind Buslinien des Schienenersatzverkehrs durch Autoverkehr behindert, und welche Maßnahmen sind zum Schutz von Fußgängern, Radfahrenden sowie zur Verkehrsüberwachung geplant?
🔎 Was wurde geantwortet?
Die Senatsverwaltung antwortet, dass das Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf an betroffenen Wohnstraßen Verkehrszeichen 260 mit Zusatz „Anlieger frei“ angeordnet hat. Auf der Königin-Elisabeth-Straße gilt seit 16. Juli 2025 ganztägig Tempo 30, was rechnerisch bis zu 3 dB(A) Lärmminderung bringt; weitere Maßnahmen wie lärmmindernde Fahrbahnbeläge wurden für die Dauer der Umleitung als nicht umsetzbar bewertet. Weitere Maßnahmen sind laut Antwort derzeit nicht vorgesehen. Die Verkehrszählung vom 29.04.2025 war laut Senat wegen fehlender Nachtdaten nicht ausreichend für eine Schallimmissionsprognose; das Gutachten soll Ende Juni/Anfang Juli 2026 fertiggestellt werden. Das Bezirksamt berichtet von Havarien im Fernwärmenetz ohne belegten Zusammenhang zum Verkehr sowie von fortschreitender Verschlechterung des Straßenoberbaus (Rissbildungen, Versackungen, Spurrinnen), wobei Instandsetzung wegen der Verkehrsfunktion der Strecke derzeit nicht möglich sei. Der Senat begründet die Annahme überwiegenden Zielverkehrs mit einer Machbarkeitsuntersuchung von 2012 zum Schwerlastverkehr auf der Stadtautobahn; aktuelle Mautdaten wurden beim Bundesministerium für Verkehr angefragt, eine Antwort steht noch aus. Die BVG berichtet von Verspätungen auf mehreren Buslinien (z.B. Linie 143: 3-10 Minuten, Linie M49/X34/218: bis 5 Minuten) und davon, dass die Linie 139 wegen Verspätungen von 20-40 Minuten zur Endstelle Schlosspark-Klinik verkürzt wurde. Die Deutsche Bahn berichtet von Verzögerungen von etwa 10-15 Minuten in Einzelfällen. Zum Schutz des Fuß- und Radverkehrs wurden zwei zusätzliche Lichtsignalanlagen eingerichtet und bestehende Ampeln angepasst. Für flächendeckende Verkehrsberuhigung, bauliche Temporeduktion und Einbahnstraßen verweist der Senat auf die Zuständigkeit der Bezirksämter und gibt an, dass bisher keine Vorschläge des Bezirksamts Charlottenburg-Wilmersdorf vorliegen. Die Polizei Berlin hat laut Antwort 2025 verkehrsfachliche Bewertungen vorgenommen und Geschwindigkeitsüberwachungen intensiviert. Die Antwort zu Frage 20 bricht im Dokumenttext ab.
⚡ Einordnung
Die Anfrage wurde von den Grünen-Abgeordneten Antje Kapek und Dr. Petra Vandrey am 2. Juni 2026 eingereicht; die Antwort des Senats datiert vom 18. Juni 2026. Der Senat hat zur Beantwortung Stellungnahmen des Bezirksamts Charlottenburg-Wilmersdorf, der BVG, des Bundesministeriums für Verkehr und der Deutschen Bahn eingeholt und diese im Text gekennzeichnet wiedergegeben. Genannte Fristen/Daten: Verkehrszählung vom 29.04.2025, Tempo-30-Anordnung ab 16.07.2025, geplante Fertigstellung des Lärmgutachtens Ende Juni/Anfang Juli 2026, Grundlage einer Machbarkeitsuntersuchung aus 2012. Eine Antwort des Bundesministeriums für Verkehr zu Mautdaten steht laut Senat noch aus; Stellungnahmen des Bezirksamts zu mehreren Fragen (16-18) lagen zum Zeitpunkt der Antwort nicht vor.