📄 Organisierte Überfälle auf queere Menschen unter Nutzung von Dating-Apps
📋 Worum geht es?
Die Anfrage behandelt Berichte über gehäufte Gewalt gegen queere Menschen nach fingierten Dates über die App Grindr. Der Fragesteller möchte wissen, welche Erkenntnisse Senat und Polizei zu Ausmaß und Tatmustern solcher Überfälle haben und welche Maßnahmen zur besseren Datenerfassung und Prävention ergriffen werden.
👥 Wer ist betroffen?
Queere Menschen, insbesondere Nutzer von Dating-Apps wie Grindr, sowie die Polizei Berlin, die Senatsverwaltung für Inneres und Sport, die Ansprechperson der Landesregierung für Akzeptanz sexueller und geschlechtlicher Vielfalt und der LSVD Verband Queere Vielfalt Berlin-Brandenburg e. V.
🎯 Was wird vorgeschlagen?
Der Fragesteller möchte wissen: 1) Welche Erkenntnisse zu Ausmaß und Tatmustern queerfeindlicher Überfälle über Dating-Plattformen vorliegen. 2) Was Senat und Polizei unternehmen, um die Datenlage auszuweiten. 3) Ob Kontakte zu digitalen Plattformen zur Verbesserung von Prävention und Strafverfolgung aufgenommen wurden. 4) Welche konkreten präventiven Maßnahmen geplant sind. 5) Ob weiterhin keine spezifischen Informations- oder Sensibilisierungskampagnen zum Phänomen „Dating-Fallen“ durchgeführt werden.
🔎 Was wurde geantwortet?
Die Landesregierung antwortet, dass keine validen quantitativen Angaben zu queerfeindlichen Straftaten im Zusammenhang mit Dating-Plattformen gemacht werden können, da weder eine standardisierte Erfassung der sexuellen Orientierung bei Anzeigen noch eine Kategorisierung nach queerfeindlichem Motiv erfolgt; auch der KPMD-PMK liefere hierzu keine Daten. Die Polizei Berlin bindet laut eigener Angabe bei erkannten einschlägigen Straftaten die Ansprechperson LSBTIQ der Zentralstelle für Prävention des Landeskriminalamtes ein. Strafverfolgungsbehörden nehmen laut Antwort im Rahmen von Ermittlungen Kontakt zu Plattformbetreibern auf, erhalten aber von einigen internationalen Plattformen keine Rückmeldung; bei Grindr erschwere das Fehlen von Profilcodes die Nachverfolgung. Die Ansprechperson der Landesregierung für Akzeptanz sexueller und geschlechtlicher Vielfalt habe Kontakt zu Grindr-Verantwortlichen aufgenommen und einen Online-Aufruf gestartet. Geplant ist laut Antwort ein Sensibilisierungsbeitrag auf den Social-Media-Accounts der Polizei Berlin. Im Rahmen der Berliner Landesstrategie für queere Sicherheit und gegen Queerfeindlichkeit werde beim Bildungswerk des LSVD die Fachstelle „QueerSafe“ als Melde- und Beratungsstelle für queerfeindliche Gewalt im Netz aufgebaut, die mit Strafverfolgungsbehörden und dem Camino-Monitoring queerfeindliche Gewalt zusammenarbeiten solle; zudem seien eine Informationsbroschüre, Sensibilisierungsworkshops, eine Expertise zu Beschwerdemechanismen bei Plattformbetreibern sowie das Anstreben einer Trusted-Flagger-Lizenz durch den LSVD in Planung. Laut Antwort befänden sich diese Vorhaben noch in fachpolitischer Planung und Abstimmung.
⚡ Einordnung
Die Anfrage wurde von Dr. Klaus Lederer (Die Linke) am 8. Juni 2026 eingereicht; die Antwort der Landesregierung liegt vor (datiert 22. Juni 2026, unterzeichnet durch Christian Hochgrebe, Senatsverwaltung für Inneres und Sport). Die Antwort verweist auf frühere Schriftliche Anfragen Nr. 19/25688 vom 26. März 2026. Die Landesregierung gibt an, über keine validen quantitativen Daten zum Phänomen zu verfügen und begründet dies mit fehlender standardisierter Erfassung sexueller Orientierung sowie fehlender Motivzuordnung bei Eigentumsdelikten.