❓ Deutschunterricht - Verwenden von Klassikern in vereinfachter Sprache im Literaturunterricht auch an Brandenburger Gymnasien?
📋 Worum geht es?
Die Anfrage der AfD-Fraktion bezieht sich auf einen Medienbericht, laut dem Berliner Gymnasiallehrer zunehmend sprachlich vereinfachte und gekürzte Ausgaben von Literaturklassikern (z. B. der Reihe „Einfach klassisch“) im Unterricht einsetzen. Die Fragesteller wollen wissen, ob eine vergleichbare Praxis auch an Brandenburger Gymnasien besteht, aus welchen Gründen und in welchem Umfang solche Ausgaben verwendet werden. Die Landesregierung erläutert in ihrer Antwort die Vorgaben des Rahmenlehrplans sowie die Entwicklung der Pflichtlektüren, des Deutschunterrichtsumfangs und der Gymnasialquote seit den 1990er-Jahren.
👥 Wer ist betroffen?
Schülerinnen und Schüler sowie Lehrkräfte an Brandenburger Gymnasien, die Fachkonferenzen Deutsch der Schulen und das Ministerium für Bildung, Jugend und Sport (MBJS).
🎯 Was wird vorgeschlagen?
Die Fragesteller fragen unter anderem: ob und seit wann „didaktisierte“ Klassikerausgaben an Brandenburger Gymnasien verwendet werden bzw. verwendet werden dürfen; welche Gründe Lehrer dafür anführen; wer über den Einsatz solcher Ausgaben entscheidet; in welchen Jahrgangsstufen und bei welchen Werken dies am häufigsten vorkommt; welche Vor- und Nachteile das Bildungsministerium darin sieht; welche Auswirkungen dies auf Lernziele wie Textverständnis und kritisches Denken hat; ob der Anstieg von Schülern mit Migrationshintergrund dabei eine Rolle spielt; welche Alternativen zu Klassikern empfohlen werden; wie sich die Anzahl verpflichtender Klassiker seit 1995/96 verändert hat; welchen Stundenanteil der Deutschunterricht an den verschiedenen Schulformen einnimmt; und wie sich die Gymnasialquote seit 1991 entwickelt hat.
🔎 Was wurde geantwortet?
Die Landesregierung antwortet: Der Rahmenlehrplan Deutsch (Jahrgangsstufen 1–10) schreibt mindestens zwei Ganzschriften pro Jahrgangsstufe vor, legt aber keine konkreten Werke fest; in der Sekundarstufe II werden über die Prüfungsschwerpunkte zwei Pflichtlektüren bestimmt (ein Roman der Gegenwartsliteratur, ein „klassisches“ Drama). Lehrkräfte entscheiden in Abstimmung mit der Fachkonferenz Deutsch eigenverantwortlich über weitere Lektüren und können dabei auf didaktisierte Klassikerausgaben zurückgreifen. Gründe für deren Nutzung, konkrete Werke, Jahrgangsstufen-Häufigkeiten sowie ein möglicher Zusammenhang mit dem Anteil von Schülern mit Migrationshintergrund werden vom MBJS nicht erhoben; dem Ministerium liegen auch keine wissenschaftlich belegten Erkenntnisse zu Vor- und Nachteilen vor. Alternativen zu Klassikern werden vom MBJS nicht empfohlen. Eine Tabelle listet die Pflichtlektüren im Zentralabitur von 2006/07 bis 2025/26 (z. B. 2025/26: Kleist „Der zerbrochne Krug“, Erpenbeck „Heimsuchung“); bis 2006/07 gab es kein Zentralabitur und damit keine Pflichtlektüre. Eine weitere Tabelle zeigt den Stundenumfang des Deutschunterrichts je Schulform von 1995 bis 2018 (z. B. Grundschule 1995: 25 % der Gesamtstunden, ab 2011: 25 % bei 39 Wochenstunden). Die Gymnasialquote (Anteil Jahrgangsstufe 8 an Gymnasien) stieg von 24,3 % im Schuljahr 1991/92 auf einen Höchststand von 44,3 % (2012/13) und lag 2025/26 bei 39,9 %.
⚡ Einordnung
Die Anfrage wurde vom AfD-Abgeordneten Dennis Hohloch gestellt (Kleine Anfrage Nr. 857, Drucksache 8/2325); die Antwort liegt vor und wurde vom Minister für Bildung, Jugend und Sport im Namen der Landesregierung erteilt. Die Landesregierung erhebt keine Daten zu Gründen, Häufigkeit oder Werken der Nutzung didaktisierter Klassikerausgaben und verweist mehrfach darauf, dass ihr dazu keine Erkenntnisse vorliegen. Die im Vorbemerkungstext der Fragesteller zitierten Aussagen (z. B. zum Zusammenhang mit Migrationshintergrund oder zur Verlagsreihe „Einfach klassisch“) stammen aus einem Tagesspiegel-Bericht vom 10.01.2026 und von einem Verlagssprecher bzw. einem Vertreter des Fachverbands Deutsch, nicht von der Landesregierung selbst. Konkrete Zahlen zu Pflichtlektüren, Unterrichtsstunden und Gymnasialquote sind in den Antwort-Tabellen aufgeführt.