❓ Eisenbahnpersonal - Angriffe auf Zugpersonal im Land Brandenburg seit 2010
📋 Worum geht es?
Die Anfrage befasst sich mit verbalen und physischen Angriffen auf Zugpersonal und auf im Bahnverkehr eingesetzte Sicherheitsmitarbeiter im Land Brandenburg seit dem Jahr 2010. Anlass war laut den Fragestellern der gewaltsame Tod eines Zugbegleiters nach einem Angriff durch einen Fahrgast im Landkreis Kaiserslautern sowie Berichte über einen Anstieg entsprechender Vorfälle in der Region Berlin/Brandenburg. Die Landesregierung antwortet mit Zahlen von S-Bahn Berlin GmbH, DB Sicherheit und DB Regio AG Region Nordost sowie mit Angaben zu Schutzmaßnahmen und Schulungen.
👥 Wer ist betroffen?
Betroffen sind Zugpersonal (Kundenbetreuer, Zugbegleiter) und Sicherheitsmitarbeiter der DB Sicherheit sowie Fahrgäste im Regional- und S-Bahn-Verkehr in Brandenburg und Berlin. Genannt werden die S-Bahn Berlin GmbH, die DB Sicherheit, die DB Regio AG Region Nordost sowie das Ministerium für Infrastruktur und Landesplanung und die Bundespolizei.
🎯 Was wird vorgeschlagen?
Die Fragesteller fragen: 1. Wie viele verbale und physische Angriffe auf Zugpersonal und Sicherheitsmitarbeiter gab es in Brandenburg von 2010 bis heute jeweils? 2. Welche Straftatbestände wurden verwirklicht? 3. Welche aktuelle und frühere Staatsangehörigkeit hatten die Täter? 4. Wie viele Opfer trugen bleibende Schäden davon oder verstarben? 5. Legt die Landesregierung bei der Vergabe von Regionalverkehrsdienstleistungen Mindestteams (z. B. zwei Zugbegleiter oder Zugbegleiter plus Sicherheitsmitarbeiter) fest? 6. Legt sie eine Ausrüstung mit Bodycams, Abwehrspray, Handschellen, Stichschutzwesten oder sonstigen Verteidigungsmitteln fest? 7. Legt sie eine regelmäßige Schulung im Umgang mit dieser Schutzausrüstung fest? 8. Welche Bestreifungsfrequenz von Regionalverkehrszügen durch die Bundespolizei ist der Landesregierung bekannt?
🔎 Was wurde geantwortet?
Die Landesregierung antwortet mit folgenden Zahlen: Die S-Bahn Berlin GmbH verzeichnet für das gemeinsame Bediengebiet Berlin/Brandenburg (keine getrennte Erfassung nach Land) Übergriffe gegen Mitarbeitende, die von 3 Fällen (2010) auf 45 Fälle (2024) und 30 Fälle (2025) anstiegen. Die DB Sicherheit erfasst für den brandenburgischen Bahnhofsbereich Körperverletzungen gegen eigene Mitarbeitende erst ab 2016 (17 Vorfälle auf 24 Mitarbeitende) bis 2024 (21 Vorfälle auf 31 Mitarbeitende); verbale Übergriffe werden laut DB Sicherheit nicht repräsentativ erfasst. Die DB Regio AG Region Nordost (Kundenbetreuer in Zügen, ohne eindeutige Zuordnung zum Bundesland) meldet Beleidigungen/Bedrohungen/Nötigung (BBN) und Körperverletzungen (KV): 2010 45 BBN/21 KV, mit starkem Anstieg auf 1.346 BBN/102 KV im Jahr 2022, danach 610 BBN/82 KV (2023), 617 BBN/78 KV (2024) und 538 BBN/77 KV (2025). Zu den Fragen 2 bis 4 (Straftatbestände, Staatsangehörigkeit der Täter, Zahl der Opfer mit bleibenden Schäden oder Todesfällen) liegen dem Ministerium für Infrastruktur und Landesplanung laut Antwort keine Angaben vor, da diese von den beauftragten Eisenbahnunternehmen nicht erfasst werden. Zu Frage 5 gibt die Landesregierung an, dass innerhalb der Regionalverkehrsverträge vorgegeben ist, dass alle Züge von einem Kundenbetreuer begleitet werden müssen. Zu Fragen 6 und 7 antwortet die Landesregierung, dass bei der Vergabe der Regionalverkehrsdienstleistungen keine Vorgaben zu Schutzausrüstung gemacht werden und Schulungen in der Verantwortung der Eisenbahnunternehmen als Arbeitgeber liegen. Zu Frage 8 gibt die Landesregierung an, dass ihr eine konkrete Bestreifungsfrequenz und Streifenstärke der Bundespolizei im Regionalverkehr Brandenburg nicht bekannt ist, da diese Aufgabe nach § 3 Bundespolizeigesetz von der Bundespolizei wahrgenommen und nicht vom Land als Aufgabenträger bestellt wird; Zugbegleiter könnten anlassbezogen Amtshilfe der Bundespolizei anfordern.
⚡ Einordnung
Die Anfrage wurde von den Abgeordneten Daniel Freiherr von Lützow und Lena Kotré (AfD-Fraktion) eingereicht (Drucksache 8/2410) und von der Landesregierung, vertreten durch den Minister für Infrastruktur und Landesplanung, beantwortet (Drucksache 8/2594). Die Fragesteller verweisen in ihrer Vorbemerkung auf den Tod eines Zugbegleiters nach einem Angriff im Landkreis Kaiserslautern sowie auf einen Tagesspiegel-Online-Artikel vom 13.02.2026 zu angestiegenen Angriffen auf Zugpersonal in der Region Berlin; dies sind Angaben und Einschätzungen der Fragesteller bzw. der zitierten Quelle, keine eigenen Feststellungen der Landesregierung. Die Landesregierung stützt ihre Antwort auf Zahlen von drei unterschiedlichen Unternehmen (S-Bahn Berlin GmbH, DB Sicherheit, DB Regio AG Region Nordost), die jeweils unterschiedliche Erfassungsgrundlagen, Zeiträume und keine landesscharfe Trennung zwischen Berlin und Brandenburg aufweisen. Zu Straftatbeständen, Täter-Staatsangehörigkeit und Opferfolgen liegen der Landesregierung laut eigener Angabe keine Daten vor.