❓ Sorbisch - Aktuelle Situation der niedersorbischen/wendischen Sprache im Land Brandenburg
📋 Worum geht es?
Die Fragesteller thematisieren die Lage der niedersorbischen/wendischen Sprache in Brandenburg, die laut von ihnen zitierten Quellen vom Aussterben bedroht sei. Sie verweisen auf stark schwankende Schätzungen zur Sprecherzahl (von 7.000 bis 50.000, bzw. laut einer 2024 veröffentlichten wissenschaftlichen Studie nur 50 bis 100 'kompetente' Sprecher) und fragen nach den Maßnahmen der Landesregierung zu Erhalt und Revitalisierung der Sprache.
👥 Wer ist betroffen?
Betroffen sind die Angehörigen des sorbischen/wendischen Volkes im angestammten Siedlungsgebiet in den Landkreisen Spree-Neiße, Dahme-Spreewald, Oberspreewald-Lausitz und der Stadt Cottbus, sowie Bildungseinrichtungen wie die BTU Cottbus-Senftenberg, die Universität Leipzig und Schulen mit Sorbisch/Wendisch-Unterricht.
🎯 Was wird vorgeschlagen?
Die Fragesteller erfragen unter anderem: von welcher Sprecherzahl des Niedersorbischen/Wendischen die Landesregierung bei ihren Strategien ausgeht (mit Nennung konkreter Studien, aufgeschlüsselt nach Sprachniveau) und wie viele Menschen aktuell im angestammten Siedlungsgebiet der Sorben/Wenden in Brandenburg leben.
🔎 Was wurde geantwortet?
Die Landesregierung antwortet, ihr seien keine wissenschaftlich belastbaren Studien zur umfassenden Sprachbeherrschung bekannt; die kursierenden Zahlen beruhten auf unterschiedlichen Schätzungen bzw. Hochrechnungen. Für sprachpolitische Maßnahmen sei keine zahlenmäßige Angabe erforderlich, da sich der Auftrag aus dem Verfassungsrang der Sprache sowie – laut Landesregierung – aus der Einstufung der niedersorbischen Sprache als eine der am stärksten bedrohten europäischen Sprachen durch die UNESCO ergebe. Zur Einwohnerzahl des Siedlungsgebiets erklärt die Landesregierung, dass wegen fehlender Auswertungen auf Orts- bzw. Gemeindeteil-Ebene (das Gebiet sei infolge von Gerichtsentscheidungen des Verwaltungsgerichts Cottbus ein 'Flickenteppich') keine genaue Angabe möglich sei; stattdessen würden in einer Tabelle Einwohnerzahlen ganzer Gemeinden zum Stand Ende 2024 herangezogen. Als Beleg für gestiegenes Interesse nennt die Landesregierung: im Schuljahr 2025/26 nähmen so viele Schüler wie seit 20 Jahren nicht am Fach Sorbisch/Wendisch teil, das Erwachsenenimmersionsprojekt Zorja stoße weiterhin auf Interesse, und die Angebote der Schule für niedersorbische Sprache und Kultur in Cottbus fänden Anklang.
⚡ Einordnung
Die Anfrage wurde von den Abgeordneten Gunnar Lehmann und Falk Peschel (BSW-Fraktion) eingereicht; die Antwort erfolgte namens der Landesregierung durch die Ministerin für Wissenschaft, Forschung und Kultur. Das Dokument verweist auf die Landesverfassung Brandenburg (Art. 25, Punkt 3), den Koalitionsvertrag zwischen BSW und SPD (Dezember 2024), den am 16.07.2025 verabschiedeten Antrag 'Erhalt und Förderung der sorbischen/wendischen Sprache, Kultur und Identität in Brandenburg' (Drucksache 8/676) sowie die vorangegangene Kleine Anfrage Nr. 921 (Drucksache 8/2460). Laut Landesregierung wird das Fach Sorbisch/Wendisch zum Wintersemester 2026/27 in den Studiengang Lehramt Primarstufe an der BTU Cottbus-Senftenberg integriert. Die Fragesteller zitieren eine Studie (Slavia Occidentalis 2024), laut der nur 50 bis 100 'kompetente' Sprecher existieren würden, sowie den Atlas der vom Aussterben bedrohten Sprachen (2025), der Niedersorbisch/Wendisch als 'stark bedroht' einstuft.