❓ Schienenverkehr - Bahnanbindung Schwedt/Oder ab Dezember 2026: Widerspruch zwischen ministeriellem Schreiben, späterer Regierungsantwort und Belastbarkeit der künftigen Umsteigeverbindung
📋 Worum geht es?
Ab dem Fahrplanwechsel am 13. Dezember 2026 entfällt die bisherige Direktverbindung der Linie RE3 zwischen Schwedt/Oder und Berlin; Reisende müssen künftig in Angermünde in die Linie RB61 umsteigen, die im Stundentakt verkehren soll. Die Fragesteller verweisen auf ein Schreiben des Ministers für Infrastruktur und Landesplanung vom 28. Juli 2025 an die Bürgermeisterin von Schwedt/Oder, in dem laut den Fragestellern zugesichert worden sei, die Direktverbindung Berlin–Schwedt/Oder solle auch bei der Neustrukturierung ab Dezember 2026 beibehalten werden. Die Landesregierung erläutert in ihrer Antwort die Gründe für die spätere Entscheidung sowie Zahlen zu Kosten, Zuverlässigkeit und Fahrgastaufkommen.
👥 Wer ist betroffen?
Pendler und Reisende aus Schwedt/Oder (Richtung Berlin), die Stadt Schwedt/Oder als Industriestandort und Regionaler Wachstumskern, die Linien RE3 und RB61 sowie die beteiligten Verkehrsunternehmen DB Regio Nordost und NEB Betriebsgesellschaft mbH, die VBB GmbH und das Ministerium für Infrastruktur und Landesplanung.
🎯 Was wird vorgeschlagen?
Die Fragesteller fragen unter anderem: Wann wurde erstmals erwogen, von der im Ministerschreiben zugesicherten Beibehaltung der Direktverbindung abzuweichen, und wann wurde die endgültige Entscheidung getroffen? Welche Vermerke, Besprechungen und Abstimmungen waren maßgeblich? Wie erklärt die Landesregierung den Widerspruch zum Schreiben vom 28. Juli 2025? Welche zusätzlichen Kosten wären durch Beibehaltung der RE3-Anbindung entstanden, welche Kosten entstehen künftig für die RB61, welche Einsparungen und Mehrkosten ergeben sich? Wie wurde der Wegfall der Tarifanerkennung im Fernverkehr einbezogen? Wie viele Ausfälle gab es auf der RB61 zwischen Januar 2024 und April 2026, und wurden Sanktionen gegenüber dem Betreiber verhängt? Wie erklärt die Landesregierung die Zuverlässigkeitsschwächen der RB61? Wie hoch ist die Auslastung des RE3 zwischen Angermünde und Prenzlau, und auf welcher Datengrundlage beruhen frühere Fahrgastzahlen? Welche Reisezeitverluste erwartet die Landesregierung, und wie bewertet sie die Erreichbarkeit Schwedts?
🔎 Was wurde geantwortet?
Die Landesregierung antwortet, dass sich Anfang 2026 im Rahmen der Abstimmung zum Fahrplanjahr 2027 gezeigt habe, dass die Direktverbindung Berlin–Schwedt/Oder angesichts der finanziellen Rahmenbedingungen nicht beibehalten werden könne; die verbindliche Fahrplanbestellung sei bis Ende März 2026 ausgelöst worden. Zum Zeitpunkt des Schreibens vom 28. Juli 2025 habe dem damaligen Kenntnisstand entsprochen, die Direktverbindung beizubehalten; mit Beginn der Haushaltsaufstellung 2027/2028 habe sich die Finanzlage verschlechtert. Die VBB GmbH stellte der vorherigen Landesregierung am 10. Februar 2026 ein Konzept vor, das wegen zusätzlicher Kosten nicht umsetzbar war; das finale Konzept wurde Ende März 2026 verbindlich bestellt. Die 2027 für die RE3-Direktanbindung über eine verlängerte Linie RE20 entstandenen Mehrkosten beziffert die Landesregierung mit rund 14 Millionen Euro im ersten Fahrplanjahr. Durch die Neuordnung von RE3 und RB61 entstehen laut Landesregierung Mehrkosten von ca. 0,4 Millionen Euro pro Jahr. Zwischen 1. Januar 2024 und 30. April 2026 fiel die RB61 auf der Relation Angermünde–Schwedt(Oder) an 131 von 851 Tagen vollständig aus; von 13.882 geplanten Fahrten fielen 3.543 komplett und 11 teilweise aus. Pönalen gebe es laut Landesregierung nicht, jedoch vertragliche Minderungen in Höhe von vorläufig ca. 1,8 Mio. Euro. Die Landesregierung führt die geringe Zuverlässigkeit der RB61 auf betriebliche Probleme bei Fahrzeugen und Personal zurück; Minister Crumbach habe die NEB im Mai 2026 zu Verbesserungen aufgefordert, die zugesagt worden seien. Für den Abschnitt Angermünde–Prenzlau nennt die VBB GmbH für 2025 mittlere Fahrgastzahlen von 3.200 (Mo–Do) bis 4.000 (So) pro Tag; frühere Werte von ca. 4.000 bzw. 1.300 Fahrgästen stammen laut Landesregierung aus automatischen Fahrgastzählsystemen für das Fahrplanjahr 2024. Die Reisezeit mit der RB61 sei gegenüber dem RE3 unwesentlich länger, erfordere aber einen zusätzlichen Umstieg in Angermünde; die Erreichbarkeit Schwedts bleibe laut Landesregierung weiterhin gegeben.
⚡ Einordnung
Die Anfrage wurde von der AfD-Fraktion (Abgeordnete Daniel Münschke und Norbert Rescher) eingereicht, eine Antwort der Landesregierung liegt vor. Die Fragesteller verweisen auf die vorangegangene Kleine Anfrage Nr. 1012 (Drucksache wird im Text nicht separat genannt) sowie auf ein Schreiben des Ministers für Infrastruktur und Landesplanung vom 28. Juli 2025. Die Landesregierung nennt konkrete Zahlen: rund 14 Millionen Euro Mehrkosten im ersten Fahrplanjahr für eine Direktanbindung über die Linie RE20, ca. 0,4 Millionen Euro jährliche Mehrkosten durch die neue Linienführung, 131 von 851 Ausfalltagen und 3.543 von 13.882 ausgefallenen Fahrten der RB61 (1.1.2024–30.4.2026), sowie vorläufige vertragliche Minderungen von ca. 1,8 Millionen Euro. Die Fahrplanbestellung für 2027 wurde laut Landesregierung bis Ende März 2026 verbindlich ausgelöst.