❓ Eichenprozessionsspinner - Sperrungen großer Teile des Spreewaldes wegen des Eichenprozessionsspinners und schwierige Situation für die Brandenburger Kulturlandschaft
📋 Worum geht es?
Seit dem 10. Juli 2026 sind mehrere schiffbare Gewässer im Unterspreewald wegen des Befalls durch den Eichenprozessionsspinner bis auf Widerruf für den Boots- und Schifffahrtsverkehr gesperrt. Der Fragesteller der AfD-Fraktion hinterfragt den Zeitpunkt der Sperrung mitten in der touristischen Hauptsaison, da die biologisch kritische Phase des Schädlings nach eigener Einschätzung bereits vorbei sei. Die Landesregierung begründet die Sperrung in ihrer Antwort mit anhaltender Gesundheitsgefährdung durch Brennhaare sowie mit notwendigen, aber durch den Befall erschwerten Verkehrssicherungsarbeiten.
👥 Wer ist betroffen?
Betroffen sind Kahn- und Kanuanbieter, Beherbergungsbetriebe, Gastronomie, Hofläden und Anbieter regionaler Produkte im Unterspreewald, außerdem die Waldarbeiter*innen des Landesbetriebs Forst Brandenburg und des Wasser- und Bodenverbandes, die mit der Verkehrssicherung befasst sind. Laut Fragesteller sind zudem Landwirte, Fischer und sonstige Eigentümer in der Region potenziell betroffen.
🎯 Was wird vorgeschlagen?
Der Fragesteller fragt: 1) Warum die Sperrung ausgerechnet in der Hauptsaison verfügt wurde, obwohl die kritische Phase des Schädlings nach seiner Einschätzung vorbei sei; 2) welche konkreten Verkehrssicherungsmaßnahmen seit Ende April/Anfang Mai durchgeführt wurden und warum die angebliche Unmöglichkeit solcher Arbeiten erst jetzt als Begründung diene; 3) wie die Landesregierung den Eindruck zerstreuen könne, die Sperrung sei ein vorbereitender Schritt zur Umwandlung in dauerhafte Wildnisgebiete mit späterem Betretungsverbot; 4) inwieweit der Entwurf des Bundesnaturschutzgesetzes mit der Betonung des „überragenden öffentlichen Interesses“ rechtlichen Boden für Einschränkungen von Bewirtschaftungs-, Eigentums- und Nutzungsrechten im Spreewald schaffe; 5) wie die Landesregierung berücksichtige, dass Landwirtschaft und Tourismus im Spreewald nach eigener Einschätzung des Fragestellers bereits durch schlechte Saison 2025, Pandemiepolitik und Niedrigwassertrend geschwächt seien; 6) wie betroffenen Landwirten, Fischern und Touristikanbietern Sicherheit vor künftigen Nutzungsbeschränkungen gegeben werden könne; 7) welche alternativen, weniger folgenreichen Maßnahmen geprüft wurden, um eine umfassende und unbefristete Sperrung zu vermeiden.
🔎 Was wurde geantwortet?
Die Landesregierung antwortet, dass die Gesundheitsgefährdung durch Brennhaare des Eichenprozessionsspinners nicht mit der Verpuppung der Raupen ende, da eine einzelne Raupe bis zu 800.000 Brennhaare entwickeln könne und diese bis in den Herbst chemisch aktiv blieben. Der Landesbetrieb Forst Brandenburg führte ab Mitte März 2026 Regelkontrollen entlang rund 30 km schiffbarer Gewässer durch; Fällarbeiten erfolgten ab Mitte April bis Ende Mai 2026, mussten aber wegen Hautreizungen bei Mitarbeitern unterbrochen werden. Der Forstbetrieb Lübben informierte am 2.6.2026 das Landesamt für Bauen und Verkehr (LBV) über die fehlende Verkehrssicherung; nach Konkretisierung der betroffenen Abschnitte am 25.6.2026 beantragte das Landesamt für Umwelt (LfU) am 9.7.2026 die Sperrung, die das LBV daraufhin verfügte. Laut Landesregierung stehen die Sperrmaßnahmen in keinem Zusammenhang mit der Diskussion um Wildnisgebiete; Sperrungen würden mit Herstellung der Verkehrssicherheit wieder aufgehoben. Ein überragendes öffentliches Interesse sei in den Gesetzentwürfen nur für Kernzonen von Biosphärenreservaten vorgesehen, ein Kabinettsbeschluss liege nicht vor. Der Spreewald verzeichne weiterhin mehr als 2 Millionen Übernachtungen jährlich; die TMB Tourismus-Marketing Brandenburg GmbH unterstütze die betroffenen Betriebe. Rechts- und Statusänderungen mit Auswirkungen auf Landwirte, Fischer und Touristikanbieter seien nicht vorgesehen. Eine Teilsperrung statt Vollsperrung sei geprüft worden; zwei Rundtouren blieben für den Tourismus offen, eine zeitliche Befristung der Sperrung sei verworfen worden, um sie situativ frühzeitig aufheben zu können.
⚡ Einordnung
Eingereicht wurde die Kleine Anfrage Nr. 1179 (Drucksache 8/3144) vom Abgeordneten Lars Günther der AfD-Fraktion; die Antwort der Landesregierung liegt mit Drucksache 8/3251 vor, beantwortet durch die Ministerin für Land- und Ernährungswirtschaft, Umwelt und Verbraucherschutz. Die Fragesteller vermuten, die Sperrung könne ein vorbereitender Schritt zur Umwandlung in Wildnisgebiete sein; die Landesregierung weist dies zurück und verweist darauf, dass Sperrungen mit Herstellung der Verkehrssicherheit aufgehoben würden. Die Landesregierung nennt als Zahlen: bis zu 800.000 Brennhaare pro Raupe, rund 30 km betroffene schiffbare Gewässer, mehr als 2 Millionen Übernachtungen jährlich im Spreewald. Verwiesen wird auf den Waldzustandsbericht Brandenburg 2025 sowie auf laufende Verhandlungen zu einem Natürlichen Infrastrukturgesetz auf Bundesebene, zu dem kein Kabinettsbeschluss vorliegt.