📄 Schusswaffen als Tatmittel in Berlin in den Jahren 2015 bis 2025 – legal, illegal?
📋 Worum geht es?
Die Anfrage befasst sich mit Straftaten in Berlin, bei denen von 2015 bis 2025 eine Schusswaffe als Tatmittel registriert wurde – also Fälle, in denen mit einer Schusswaffe gedroht oder geschossen wurde. Im Mittelpunkt steht die Frage, ob dabei überwiegend legal besessene oder illegale Waffen zum Einsatz kommen.
👥 Wer ist betroffen?
Betroffen sind die Berliner Polizei und die Senatsverwaltung für Inneres und Sport als Auskunftgeber, sowie allgemein die Erfassungssysteme der Polizeilichen Kriminalstatistik (PKS) und des Nationalen Waffenregisters (NWR).
🎯 Was wird vorgeschlagen?
Die Fragesteller wollen unter anderem wissen: wie viele Fälle mit Schusswaffen als Tatmittel es pro Jahr und Deliktgruppe gab; wie hoch der Anteil nichtdeutscher Tatverdächtiger war; wie viele Opfer es gab; ob die Waffe abgefeuert, als Drohmittel genutzt oder nur mitgeführt wurde; wie oft Waffen sichergestellt oder beschlagnahmt wurden und wie sie typisiert wurden (scharfe Waffe, Schreckschusswaffe, Anscheinswaffe etc.); ob und wie oft eine Prüfung im Nationalen Waffenregister (NWR) erfolgte und mit welchem Ergebnis; welche Erkenntnisse zum Anteil legaler gegenüber illegaler Waffen vorliegen; wie viele Waffen zum 31.12.2025 legal in Privatbesitz waren und wie der Senat das Dunkelfeld illegaler Waffen einschätzt; sowie welche organisatorischen oder technischen Maßnahmen für eine bessere statistische Erfassung des waffenrechtlichen Status nötig wären.
🔎 Was wurde geantwortet?
Die Landesregierung antwortet mit folgenden Zahlen: 2025 wurde in 1.119 Fällen mit einer Schusswaffe gedroht oder geschossen (gegenüber z.B. 646 Fällen 2015), wobei die Vergleichbarkeit mit Vorjahren wegen einer seit 1.1.2025 verpflichtenden neuen Erfassung eingeschränkt ist. Für 2025 lag der Anteil nichtdeutscher Tatverdächtiger bei solchen Taten bei 39,6 % (219 von 553 Tatverdächtigen). Die Opferzahlen variieren je Jahr, z.B. 2025 insgesamt rund 1.058 Opfer bei gedroht/geschossen-Fällen. Zum 31.12.2025 waren laut NWR-Statistik 48.938 Waffen und 6.139 unverbaute Waffenteile in Privatbesitz in Berlin registriert (zusammen 55.077). Die Landesregierung erklärt, dass Daten zum waffenrechtlichen Status (legal/illegal), zu NWR-Trefferquoten, zur Typisierung sichergestellter Waffen und zum Dunkelfeld illegaler Waffen nicht automatisiert recherchierbar bzw. nicht statistisch erhoben werden. Laut Antwort wird bei jedem Antreffen eines Tatverdächtigen mit einer Schusswaffe diese stets beschlagnahmt. Die Polizei Berlin sieht laut eigener Aussage keinen Mehrwert in einer Erfassung des waffenrechtlichen Status für die Ermittlungsarbeit und plant eine entsprechende Anpassung derzeit nicht. Seit dem Jahreswechsel 2024/2025 bzw. seit 1.12.2025 wurden neue Erfassungskategorien im Polizeisystem POLIKS eingeführt (u.a. Unterscheidung scharfe Waffe, Schreckschuss-/Reizstoff-/Signalwaffe, sonstige Schusswaffe, Dekowaffe).
⚡ Einordnung
Eingereicht wurde die Anfrage vom Abgeordneten Thorsten Weiß (AfD) am 26. Februar 2026; die Antwort des Senats liegt vor, datiert auf den 10. März 2026, unterzeichnet in Vertretung von Christian Hochgrebe (Senatsverwaltung für Inneres und Sport). Die Anfrage verweist auf eine frühere Schriftliche Anfrage (Drs. 19/14654), in der laut Vorbemerkung bereits mitgeteilt wurde, dass der waffenrechtliche Status statistisch nicht erhoben wird. Die Antwort nennt konkrete Zahlen zu Fällen, Tatverdächtigen, Opfern und Waffenbestand (siehe findings) sowie eine Zäsur in der Datenerfassung durch die seit 1.1.2025 verpflichtende Erfassung der 'Art der Waffenverwendung' im polizeilichen Informationssystem.