📄 Ocean Berlin in Lichtenberg – Wann startet das vorprogrammierte Tierleid?
📋 Worum geht es?
Die Anfrage betrifft das im Bau befindliche Großaquarium „Ocean Berlin“ in Lichtenberg. Der Fragesteller erkundigt sich nach dem Baufortschritt, der tierschutzrechtlichen Genehmigung (§ 11 Tierschutzgesetz), der Haltung der Tiere, dem Wasser- und Energieverbrauch sowie den Sicherheitsvorkehrungen für Havariefälle.
👥 Wer ist betroffen?
Betroffen sind das Bezirksamt Lichtenberg (Veterinäramt, Umweltamt, Stadtplanungsamt), die Senatsverwaltung für Justiz und Verbraucherschutz, der Betreiber Ocean Berlin/Coral World, die Berliner Wasserbetriebe (BWB) sowie die in der Anlage zu haltenden Tiere.
🎯 Was wird vorgeschlagen?
Der Fragesteller möchte unter anderem wissen: Wie ist der Baufortschritt? Wurde eine § 11-Erlaubnis beantragt und mit welchen Auflagen zu Beckengrößen, Arten und Tierschutz? Wie lange dauert die Prüfung und wie oft wird kontrolliert? Gibt es eine Meldepflicht für verstorbene Tiere? Liegt ein Tierschutzkonzept vor? Wie wird der Tierschutz bei gemeinsamer Haltung von Raubfischen und Beutetieren sichergestellt? Was passiert bei Stromausfall? Wie viele Wasserkreisläufe und Quarantänebecken gibt es? Wie wird dem Artenschutzrisiko durch Wildfänge entgegengewirkt? Woher kommt das benötigte Wasser und wie wirkt sich das auf die Wasserknappheit aus? Wie wird mit dem Salzwasser-Abwasser umgegangen? Wie hoch ist der Stromverbrauch und werden erneuerbare Energien genutzt? Welche Havariepläne gibt es nach dem Vorbild des AquaDom-Unfalls? Liegt ein Wirtschaftsplan vor und wann eröffnet die Anlage?
🔎 Was wurde geantwortet?
Laut Antwort der Senatsverwaltung, gestützt auf Angaben des Bezirksamts Lichtenberg: Das Richtfest fand im November 2025 statt, der Rohbau ist fertig, derzeit laufen Fassaden- und Ausbauarbeiten. Eine § 11-Erlaubnis wurde beantragt, finale Entscheidungen zu Arten, Besatz und Auflagen liegen noch nicht vor. Fragen zur Prüfdauer, zu Kontrollhäufigkeit, zur Meldung toter Tiere und zum Umgang mit Stereotypien können laut Bezirksamt noch nicht beantwortet werden, u.a. wegen knapper Personalausstattung und fehlender Daten. Ein Tierschutzkonzept liegt dem Veterinäramt noch nicht vor. Zur Frage des Zusammenlebens von Haien und Beutetieren konnte „zum aktuellen Zeitpunkt keine Antwort“ gegeben werden. Bei Stromausfall soll eine Netzersatzanlage (NEA) die Life-Support-Systeme weiterbetreiben. Das Wasser kommt von den Berliner Wasserbetrieben (BWB); täglich sollen künftig ca. 60 cbm Wasser ausgetauscht werden. Der Salzgehalt in den Becken liegt zwischen 2,8 und 3,5 %; täglich fallen ca. 60 cbm Abwasser an, bei einer prognostizierten Gesamtabwassermenge von über 120 cbm/Tag soll der Salzgehalt im Abwasser 2 % Natriumchlorid nicht überschreiten. Das Abwasser wird über das Pumpwerk Ostkreuz/Mole zum Klärwerk Waßmannsdorf geleitet; die BWB haben laut Bezirksamt für den genannten Grenzwert eine Freigabe erteilt, die Zustimmung des Umweltamts Lichtenberg zu den Grenzwerten steht noch aus. Angaben zu Stromverbrauch und CO2-Emissionen liegen laut Bezirksamt nicht vor, da diese im Bauantragsverfahren nicht abgefragt werden; die nicht genutzten Dächer sind als Retentionsdächer mit Solaranlagen und Begrünung geplant. Zu Havarieschutz wird angegeben, die Becken bestünden aus WU-Beton mit ca. 30 cm starkem Acrylglas und breitem Anpressfalz, abweichend von der Konstruktion des AquaDom. Zu Wirtschaftsplan, Break-even und möglichen städtischen Einnahmen liegen laut Antwort keine Informationen vor, da es sich um unternehmensinterne Daten handele; zwischen der für Wirtschaft zuständigen Senatsverwaltung und dem Unternehmen bestehe kein Kontakt. Die Eröffnung ist für Frühjahr 2027 geplant, Eintrittspreise sind noch nicht bekannt.
⚡ Einordnung
Die Anfrage wurde von der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen eingereicht (Dr. Stefan Taschner) am 2. März 2026, die Antwort der Senatsverwaltung für Justiz und Verbraucherschutz datiert vom 25. März 2026 und beruht auf Stellungnahmen des Bezirksamts Lichtenberg. Das Dokument verweist auf eine frühere Drucksache (DS 19/21362) zum selben Thema. Zu mehreren Punkten (Prüfdauer, Kontrollhäufigkeit, Meldewege für tote Tiere, Tierschutzkonzept, Zusammenleben von Raubfischen und Beutetieren, Wirtschaftsplan) liegen laut Antwort noch keine Informationen oder Entscheidungen vor.