📄 Neubewertung der Verkehrsplanung in Adlershof - auf Basis des novellierten Mobilitätsgesetzes
📋 Worum geht es?
Die Anfrage der Abgeordneten Lisa Knack (CDU) befasst sich mit der Verkehrsplanung im Ortsteilzentrum Adlershof, insbesondere mit der Umgestaltung der Dörpfeldstraße mit Radverkehrsanlagen und dem zweigleisigen Straßenbahnausbau sowie der geplanten Fahrradroute über die Radickestraße. Die Fragestellerin fragt vor dem Hintergrund einer angekündigten Novelle des Berliner Mobilitätsgesetzes, die die Pflicht zur Anlage von Radwegen an jeder Hauptverkehrsstraße zugunsten einer effizienteren Netzplanung abschaffen soll, ob die bestehenden Planungen noch angepasst werden können.
👥 Wer ist betroffen?
Betroffen sind Anwohnerinnen und Anwohner sowie Gewerbetreibende der Dörpfeldstraße und Radickestraße in Adlershof (Bezirk Treptow-Köpenick), Nutzerinnen und Nutzer der Straßenbahn und BVG-Buslinien, Radfahrende, Fußgängerinnen und Fußgänger sowie der motorisierte Verkehr und der Wirtschaftsverkehr in diesem Gebiet.
🎯 Was wird vorgeschlagen?
Die Fragestellerin fragt unter anderem: ob die Planungen für Dörpfeldstraße und Radickestraße als zusammenhängendes Konzept oder isoliert erfolgten; wie der Senat die Radverkehrsanlagen angesichts geringer Straßenbreite, enger Gehwege und hoher Taktfrequenz der Straßenbahn bewertet; welche Sicherheitsanalysen zum Unfallrisiko zwischen Radfahrenden, Tram-Fahrgästen und Fußgängern vorliegen; wie viele Parkplätze/Lieferzonen für Radwege entfallen und wie die Erreichbarkeit des Einzelhandels gesichert wird; welche Begegnungsbreiten für den Busverkehr gelten und ob diese einer vollständigen Fahrradstraße in der Radickestraße entgegenstehen; ob eine Einbahnstraßenregelung oder eine Verlegung der Buslinie auf andere Straßenzüge geprüft wurde; ob die angekündigte Mobilitätsgesetz-Novelle Spielraum eröffnet, die Dörpfeldstraße vom durchgehenden Radverkehr zu entlasten; mit welchen Verzögerungen für die Straßenbahn durch die Radstreifen gerechnet wird; wie hoch die geschätzten Kosten für die Radverkehrsinfrastruktur sind; ob Verkehrsflusssimulationen und Bedarfsanalysen zur Radickestraße als Alternative durchgeführt wurden; wie Bedenken von Anwohnern und Gewerbetreibenden berücksichtigt wurden; und ob eine Anpassung der Pläne an eine neue Rechtslage möglich ist.
🔎 Was wurde geantwortet?
Der Senat und das Bezirksamt Treptow-Köpenick antworten: Grundlage der Planungen ist das Integrierte Verkehrs- und Freiraumkonzept (IVFK), das die Radickestraße als Alternative für den durchfahrenden Radverkehr identifiziert hat; die Planung erfolgte integriert, nicht isoliert. Für die Dörpfeldstraße ist die Entwurfsphase bereits abgeschlossen, eine geprüfte Bauplanungsunterlage liegt vor; die Radickestraße steht kurz vor der baulichen Realisierung – Änderungen durch eine mögliche Mobilitätsgesetz-Novelle sind laut Bezirksamt ausgeschlossen. In der Dörpfeldstraße ist kein gesicherter Radweg, sondern ein überfahrbarer Schutz-/Aufmerksamkeitsstreifen vorgesehen; Radfahren ist dort bereits zulässig. Kaphaltestellen sind eine laut Senat „in Berlin gängige und etablierte Lösung“; Radfahrende müssen bei Straßenbahneinfahrt anhalten. Auf der Dörpfeldstraße gibt es keine Parkplätze, aber Be-/Entlademöglichkeiten per Zeichen 286 StVO; bei deren Wegfall sollen Ladebereiche in Nebenstraßen verlagert werden. Die BVG nennt für den Begegnungsfall Bus/Bus laut RASt 06 eine erforderliche Fahrbahnbreite von 6,50 m; eine durchgehende Fahrradstraße in der Radickestraße ist laut BVG mit dem Busbetrieb nicht vereinbar. Eine Einbahnstraßenregelung wurde verworfen, da die Buslinie beide Richtungen bedient und die Polizeidienststelle an der Nipkowstraße beidseitigen Richtungsverkehr benötigt. Alternativrouten für die Buslinie über Büchnerweg und Otto-Franke-Straße wurden von der BVG geprüft, aber wegen der Schulanbindung (Anna-Seghers-Schule), möglichem Schienenersatzverkehr und Gelenkbus-Anforderungen verworfen. Eine Verkehrsflusssimulation zum Szenario 'Dörpfeldstraße ohne Radweg / Radickestraße als durchgehende Fahrradstraße' wurde nicht durchgeführt, da bereits die Variantenuntersuchung ergab, dass wegen des Busverkehrs keine durchgehende Fahrradstraße in der Radickestraße möglich ist. Zu den Gesamtkosten der Radverkehrsinfrastruktur liegen dem Senat keine Informationen vor, entsprechende Untersuchungen wurden nicht durchgeführt. Ein umfassendes Beteiligungsverfahren mit Öffentlichkeit, Kiezbeirat, Gewerbetreibenden (IGD), Fachverwaltungen, BVG, ADAC und ADFC fand statt, letztmalig im Januar 2022. Frage 11 zu Modifikationsmöglichkeiten der Planung konnte das Bezirksamt innerhalb der Beantwortungsfrist nicht beantworten. Das Dokument bricht bei Frage 18 ab; eine Antwort dazu liegt im vorliegenden Text nicht vor.
⚡ Einordnung
Die Anfrage wurde von der Abgeordneten Lisa Knack (CDU) am 5. Mai 2026 eingereicht; die Antwort des Senats datiert vom 20. Mai 2026 und liegt für die Fragen 1 bis 17 sowie 20 vor. Der Senat hat das Bezirksamt Treptow-Köpenick und die BVG um Stellungnahmen gebeten, die in die Antwort eingeflossen sind. Genannte Grundlagendokumente sind das Integrierte Stadtentwicklungskonzept (ISEK) für die Dörpfeldstraße, das Integrierte Verkehrs- und Freiraumkonzept (IVFK) Adlershof-Dörpfeldstraße, eine verkehrliche Untersuchung zu Ladezonen von 2020, eine Querschnittszählung Radickestraße von 2018 sowie eine Knotenstromzählung Radickestraße/Nipkowstraße von 2020. Als Zahl wird eine erforderliche Fahrbahnbreite von 6,50 m für den Begegnungsfall Bus/Bus nach RASt 06 genannt. Die letzte Beteiligungsveranstaltung fand laut Bezirksamt im Januar 2022 statt. Zu Kosten und zu einer Verkehrsflusssimulation liegen laut Senat bzw. Bezirksamt keine Informationen bzw. keine durchgeführten Untersuchungen vor. Das vorliegende Dokument endet unvollständig bei Frage 18, ohne die zugehörige Antwort.