📄 Aktueller Stand zum 11. Pflichtschuljahr
📋 Worum geht es?
Die Anfrage befasst sich mit dem aktuellen Stand des 11. Pflichtschuljahrs in Berlin, das Jugendlichen ohne Anschlussperspektive nach der 10. Klasse zusätzliche Bildungsangebote in den Bildungsgängen IBA Praxis und IBA Klassik bietet. Im Mittelpunkt stehen Anmeldezahlen, tatsächlicher Schulbesuch, Abbrüche sowie die personelle Ausstattung und Finanzierung der Begleitung dieser Schülerinnen und Schüler.
👥 Wer ist betroffen?
Betroffen sind Zehntklässlerinnen und Zehntklässler ohne Anschlussperspektive an Berliner berufsbildenden Schulen (Oberstufenzentren), die Jugendberufsagentur (JBA) Berlin sowie die Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie.
🎯 Was wird vorgeschlagen?
Die Fragestellerin erfragt unter anderem die Anzahl verpflichtender Beratungen für Zehntklässler*innen ohne Anschlussperspektive, die Anmeldezahlen für IBA Praxis und IBA Klassik, wie viele Angemeldete den Bildungsgang tatsächlich angetreten bzw. nicht angetreten haben und warum, wie viele weitervermittelt wurden oder in Ausbildung wechselten, wie viele der neu geschaffenen 1.350 Schulplätze besetzt sind, wie viele Abbrüche es gab und aus welchen Gründen, welche Maßnahmen bei Schuldistanz ergriffen werden, wie viele Schulversäumnisanzeigen gestellt wurden, ob die Personalausstattung (Schulsozialarbeit, Bildungsgangbegleitung) ausreicht, ob die Finanzierung der Bildungsgangbegleitung über ESF+-Mittel ausläuft und ob für 2026/27 weiterer Personalbedarf absehbar ist.
🔎 Was wurde geantwortet?
Die Landesregierung antwortet, dass die JBA Berlin vom 01.10.2024 bis 30.09.2025 insgesamt 423.450 Beratungen für junge Menschen ohne Anschlussperspektive durchführte. Für 2025/2026 wurden 5.963 Erstwünsche für IBA-Klassik und 987 Zuweisungen zu IBA-Praxis registriert; allen Schülerinnen und Schülern wurde ein Schulplatz angeboten. Zum Stichtag 19.09.2025 traten laut Schnellabfrage 543 (IBA-Praxis) bzw. 5.465 (IBA-Klassik) Schülerinnen und Schüler an, laut Lehrkräftebedarfsfeststellung vom 06.10.2026 waren es 742 bzw. 5.655. Gründe für Nichtantritt seien unter anderem der Wechsel in eine duale Ausbildung oder andere passendere Anschlussmöglichkeiten sowie persönliche Gründe. Bis zu den Herbstferien 2025 wurden laut interner Abfrage der Ankerschulen 91 Schülerinnen und Schüler aus IBA-Praxis in andere Bildungsgänge vermittelt; zu außerschulischen Einrichtungen liegen keine Daten vor. Für 89 Schülerinnen und Schüler aus IBA-Praxis konnte laut Abfrage vom Mai 2026 ein Ausbildungsvertrag abgeschlossen werden; zu IBA-Klassik liegen keine Daten vor. Von den 900 neu geschaffenen Plätzen in IBA-Praxis nehmen laut interner Abfrage ca. 436 Schülerinnen und Schüler das Angebot an; für IBA-Klassik liegen nur die Zahlen der Lehrkräftebedarfsfeststellung vor. Laut einer Abfrage der 15 Ankerschulen im Mai 2026 haben 210 Jugendliche in IBA-Praxis den zugeteilten Schulplatz trotz intensiver Bemühungen von Schulen und JBA nicht angetreten ('no shows'). Bei Schuldistanz verfahren die Schulen nach den Ausführungsvorschriften zur Schulbesuchspflicht; die JBA versucht weiterhin, Kontakt herzustellen. Zum 21.05.2026 waren 92 Schulversäumnisanzeigen mit Bezug zum 11. Pflichtschuljahr erfasst, davon 1 mit Bezug zur Sekundarstufe I. Die Oberstufenzentren halten laut Antwort die zusätzliche Vollzeitstelle für Schulsozialarbeit sowie den Betreuungsschlüssel von 1:30 in der Bildungsgangbegleitung für angemessen. Die ESF+-Förderperiode läuft regulär 2021 bis 2027, Abschlüsse sind bis 31.12.2029 möglich; eine konkrete Anschlussfinanzierung hänge von noch ausstehenden Beschlüssen zum EU-Finanzrahmen 2028-2034 ab. Zum Schuljahr 2026/2027 entstehe durch Einrichtung eines weiteren Oberstufenzentrums als Ankerschule im Ostteil der Stadt Bedarf für eine weitere Stelle Schulsozialarbeit.
⚡ Einordnung
Die Anfrage wurde von der Fraktion Die Linke (Abgeordnete Franziska Brychcy) eingereicht; eine Antwort der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie liegt vor (unterzeichnet in Vertretung durch Christina Henke). Zu mehreren Fragen (außerschulische Weitervermittlung, Abbrüche/Gründe bei IBA-Klassik, besondere Unterstützung schuldistanter Schüler*innen) erklärt die Verwaltung ausdrücklich, dass keine Daten vorliegen. Datenquellen unterscheiden sich teilweise (Schnellabfrage vs. Lehrkräftebedarfsfeststellung vs. interne Ankerschulen-Abfrage), was zu abweichenden Zahlen führt.