📄 Erst angesiedelt, jetzt unliebsam? Pläne des Senats zu Berliner Mufflons und Damwild
📋 Worum geht es?
Die Anfrage behandelt die in Berlin lebenden Populationen von Muffel- und Damwild, deren historische Ansiedlung durch den Menschen sowie die Pläne des Senats im Umgang mit diesen Tierarten im Rahmen der Waldentwicklung.
👥 Wer ist betroffen?
Betroffen sind die Berliner Forsten, die Reviere Dreilinden, Wannsee, Hermsdorf, Stolpe, Tegelsee und der Spandauer Forst, sowie die dort lebenden Muffel- und Damwildbestände und die Berliner Waldökosysteme.
🎯 Was wird vorgeschlagen?
Die Fragestellerin erfragt unter anderem: die Größe und Verteilung der Muffel- und Damwildbestände in Berlin; die historische Verantwortung für die Ansiedlung und deren Rechtsnachfolger; die genaue Unterart und Herkunft der Mufflons; die senatliche Bewertung der einstigen Ansiedlung; die ökologische Anpassung beider Arten an Berlin-Brandenburg sowie tierschutzrechtliche Bedenken; ob im Rahmen der „Waldvision 2065“ eine vollständige Entnahme der Tiere geplant ist, inklusive Zeitrahmen, Gründe, Datengrundlage und Alternativen wie Aussiedlung oder Gehegehaltung; und welche Verantwortung der Mensch für einen tierschutzgerechten Umgang mit den Tieren trägt.
🔎 Was wurde geantwortet?
Der Senat antwortet: Es gibt zwei Damwild-Vorkommen (Spandauer Forst/Brandenburg und Hermsdorf/Stolpe/Tegelsee, ohne konkrete Zahlen) und zwei Muffelwild-Gruppen im Forstamt Grunewald mit geschätzt etwa 50 Tieren. Damwild wurde Ende des 17. Jahrhunderts vom Großen Kurfürsten zur Jagd angesiedelt, Muffelwild in den 1950er Jahren aus dem Saupark Springe in ein Gatter bei Wannsee gebracht und entkam durch beschädigte Zäune. Eine genetische Herkunftsbestimmung der Berliner Mufflons liegt nicht vor. Der Senat bewertet die historische Ansiedlung als Ausdruck adeligen Jagdvergnügens, die weder gesellschaftlich noch umwelt- oder klimapolitisch mehr zeitgemäß sei. Es gebe keine tierschutzrechtlichen Bedenken gegen das Damwildvorkommen, jedoch gesundheitliche Probleme beim Muffelwild (Moderhinke, Klauenerkrankungen) durch ungeeigneten Untergrund. Der Senat stellt klar, dass entgegen einer in der Ausschusssitzung vom 19.3.2026 aufgeworfenen Frage des NABU Berlin keine vollständige Entnahme beider Arten im Rahmen der „Waldvision 2065“ vorgesehen ist; die Bejagung erfolgt weiterhin über jährliche, von der Jagdbehörde bestätigte Abschusspläne auf Basis von Verbisseinschätzungen. Für Muffelwild werden räumliche Trennungsmaßnahmen und eine Wiederherstellung des historischen Ausgangszustands geprüft. Das Damwild ist laut Senat nicht auf der Liste invasiver Arten von unionsweiter Bedeutung des Bundesamts für Naturschutz gelistet, gilt aber als gebietsfremd.
⚡ Einordnung
Die Anfrage wurde von der Abgeordneten June Tomiak (Bündnis 90/Die Grünen) am 19. Mai 2026 eingereicht; die Antwort des Senats liegt vor und datiert vom 4. Juni 2026, unterzeichnet in Vertretung von Andreas Kraus (Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt). Der Senat verweist auf das Wortprotokoll der Sitzung des Ausschusses für Umwelt- und Klimaschutz vom 19.03.2026 (Drucksache-Link uk19-066-wp.pdf) und stellt richtig, dass die Berliner Forsten in dieser Sitzung keine Entnahme bestätigt haben, sondern die Vertreterin des NABU Berlin die Frage aufgeworfen hat. Der Senat nennt eine geschätzte Zahl von etwa 50 Muffelwild-Tieren im Forstamt Grunewald, ohne konkrete Zahlen für Damwild.