📄 Eine echte (Wasser)maus – der Bisam
📋 Worum geht es?
Die Anfrage befasst sich mit dem Bisam (Ondatra zibethicus), einer in Berlin vorkommenden, eingewanderten Nagetierart, die an Gewässern lebt. Es geht um Bestandszahlen, Verbreitung, ökologische Auswirkungen, mögliche Gesundheitsgefahren sowie Management- und Entnahmemaßnahmen gegen den Bisam als invasive Art.
👥 Wer ist betroffen?
Betroffen sind Berliner Gewässer und angrenzende Ökosysteme (u.a. Havel, Tegeler Fließ, Panke, Müggelsee, Naturschutzgebiet Gosener Wiesen), die zuständigen Bezirksämter (Marzahn-Hellersdorf, Pankow, Reinickendorf, Spandau, Treptow-Köpenick) sowie die Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt.
🎯 Was wird vorgeschlagen?
Die Fragestellerin fragt nach: der geschätzten Bisam-Population und ihrer Entwicklung über 10 Jahre, der Anzahl und Lage von Bisamburgen, der Verbreitung an Gewässern und begünstigenden Faktoren, nachteiligen und positiven Auswirkungen auf Ökosysteme, Gesundheitsgefahren für Menschen, weiteren Schäden (z.B. an Bauwerken), möglichen Behinderungen von Renaturierungsmaßnahmen sowie konkreten Managementmaßnahmen inklusive Zahl der entnommenen Tiere pro Jahr und Ort der Entnahme.
🔎 Was wurde geantwortet?
Der Senat gibt an, dass keine verlässliche Einschätzung der Bisam-Population möglich sei, da nur vereinzelte Sichtungen vorliegen; auch zur Zahl der Bisamburgen gibt es keine Kenntnisse. Bezirksämter melden Sichtungen u.a. an der Neuen Wuhle, im Botanischen Volkspark, Karower Teiche, Bogenseekette, Panke, Tegeler Fließ, Havel (dort flächendeckend) und in Gewässern von Treptow-Köpenick. Laut dem Maßnahmen- und Managementblatt (MMB) Bisam kann der Fraß an Röhricht- und Wasserpflanzen bestandsschädigend sein; betroffene gefährdete Arten wie Flussperlmuschel, Gemeine Flussmuschel und Edelkrebs kommen laut Senat in Berlin nicht vor. Das Bezirksamt Treptow-Köpenick geht davon aus, dass der Bisam ein Verursacher des Röhrichtrückgangs ist. Gesundheitsgefährdend kann der Bisam laut MMB als Zwischenwirt des Fuchsbandwurms sowie in Einzelfällen bei Bisamfängern durch Leptospirose und Tularämie sein; konkrete Fälle in Berlin sind dem Senat nicht bekannt. Bauliche Schäden durch Grabetätigkeit sind dem Senat bisher nicht bekannt, laut MMB sind die Auswirkungen auf Hochwasserschutz grundsätzlich jedoch erheblich. Managementmaßnahmen umfassen laut MMB Öffentlichkeitsarbeit und Fallenbekämpfung durch erfahrene Bisamfänger im Einzelfall; konkret wurden im Naturschutzgebiet Gosener Wiesen 2025 fünf und bis Mitte 2026 sieben Bisame zum Schutz der Wasserpflanze Krebsschere entnommen. Weitere Entnahmen sind dem Senat nicht bekannt.
⚡ Einordnung
Eingereicht wurde die Anfrage von der Abgeordneten June Tomiak (Bündnis 90/Die Grünen). Die Antwort der Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt liegt vor (Antwort vom 24.06.2026). Der Senat verweist auf das Maßnahmen- und Managementblatt (MMB) Bisam sowie auf Artikel 19 der EU-Verordnung zu invasiven gebietsfremden Arten, die ein verhältnismäßiges Management verlangt. Konkrete Zahlen: fünf entnommene Bisame 2025 und sieben im Jahr 2026 (bis zum Zeitpunkt der Antwort) im Naturschutzgebiet Gosener Wiesen. Die Bewertungen zu Ursachen des Röhrichtrückgangs und ökologischen Zusammenhängen stammen von den jeweils genannten Bezirksämtern (Spandau, Treptow-Köpenick) und sind als deren Einschätzung gekennzeichnet.