📄 Qualitätsstrategie auf Kosten von Bildungsqualität?
📋 Worum geht es?
Die Anfrage behandelt die ab dem Schuljahr 2026/27 geplanten Re-Testungen: eine Wiederholung der Vergleichsarbeiten VERA 3 in Klasse 4 und VERA 8 in Klasse 9 (Verfahren 'VERA-Data'). Diese sind Teil der Berliner Strategie zur Steigerung der Bildungsqualität und sollen Lernentwicklungen über zwei Messzeitpunkte hinweg sichtbar machen. Die Fragestellerin hinterfragt den zusätzlichen Aufwand für Schulen, die wissenschaftliche Grundlage, die zeitliche Planung und die Auswirkungen auf Inklusion und digitale Chancengleichheit.
👥 Wer ist betroffen?
Betroffen sind Schulen und Lehrkräfte, die die Testungen vorbereiten, durchführen und auswerten müssen, sowie Schüler*innen der Jahrgangsstufen 3/4 und 8/9 in Berlin, darunter auch Schüler*innen mit sonderpädagogischem Förderbedarf.
🎯 Was wird vorgeschlagen?
Die Fragestellerin erkundigt sich: 1) Welche zusätzlichen zeitlichen, personellen und materiellen Ressourcen Schulen für die Re-Testungen erhalten. 2) Ob die Mehrarbeit zusätzlich zur bestehenden Belastung der Lehrkräfte erbracht werden soll oder ob Ausgleichsmaßnahmen geplant sind. 3) Welche wissenschaftlichen und diagnostischen Überlegungen der Wiederholung der Prüfungen zugrunde liegen. 4) Wie die zeitliche Überschneidung von VERA 8-Re-Testung mit den BBR-Abschlussprüfungen in Klasse 9 gelöst werden soll. 5) Ob Inklusion und Nachteilsausgleich bei der Testkonzeption mitgedacht wurden. 6) Ob die Testungen obligatorisch digital erfolgen und wie eine Benachteiligung von Kindern ohne digitale Vorerfahrung verhindert wird. 7) Welche Rückmeldungen von Schulen und Fachbereichsleitungen zu Sinnhaftigkeit, Zeitplan und Ressourcen vorliegen. 8) Ob der Senat trotz Rückmeldungen und Unklarheiten an der Einführung festhält.
🔎 Was wurde geantwortet?
Die Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie antwortet: Zusätzliche Ressourcen für die Re-Testungen sind nicht vorgesehen, da die Erfassung von Lernständen laut § 19 Sek-I-VO und § 20 Grundschulverordnung Teil des regulären schulischen Auftrags sei; auch Ausgleichsmaßnahmen für Lehrkräfte sind nicht geplant. Als wissenschaftliche Grundlage verweist der Senat auf ein Gutachten der Ständigen Wissenschaftlichen Kommission der Kultusministerkonferenz (SWK) zur datengestützten Schulentwicklung sowie auf das Vorhaben 'Berliner individuelle Lernverläufe und Bildungsmonitoring (BILUB)'. Die Testtermine für 2027 sind: VERA 8 (18.02.–12.03.2027), VERA 3 (19.04.–05.05.2027), VERA 4 (10.05.–28.05.2027), VERA 9 (26.05.–11.06.2027). Bei Inklusion gelten die bestehenden Regelungen zum Nachteilsausgleich (Arbeitserleichterungen, technische Hilfen, Testmaterial-Adaptionen). Die Testungen erfolgen vollständig digital, in der Primarstufe empfohlen per Tablet, in der Sekundarstufe per Laptop/Desktop-PC; ab Schuljahr 2026/27 wird ein Unterstützungsangebot zur Tastaturbedienung für Jahrgangsstufe 3 eingeführt, ergänzt durch Online-Übungsangebote. Systematisch erhobene Rückmeldungen aus Schulen liegen noch nicht vor, da die Re-Testungen noch nicht stattgefunden haben; vereinzelt sei die längsschnittliche Betrachtung von Lernentwicklungen positiv bewertet worden. Der Senat hält an der Einführung der Re-Testungen fest.
⚡ Einordnung
Die Anfrage wurde von der Fraktion Die Linke (Franziska Brychcy) eingereicht; eine Antwort der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie liegt vor (unterzeichnet in Vertretung von Christina Henke). Die Antwort nennt konkrete Testtermine für 2027 (VERA 8, VERA 3, VERA 4, VERA 9) sowie Verweise auf § 19 Sek-I-VO, § 20 Grundschulverordnung, ein SWK-Gutachten der Kultusministerkonferenz und das Vorhaben BILUB. Laut Senat sind keine zusätzlichen Ressourcen oder Ausgleichsmaßnahmen für Schulen vorgesehen; systematische Rückmeldungen aus der Schulpraxis liegen laut Senat noch nicht vor.