📄 Produktives Lernen, IBA-Praxis und 11. Pflichtschuljahr – Wie passt das zusammen?
📋 Worum geht es?
Die Anfrage befasst sich mit dem Schulkonzept „Produktives Lernen“, das an bestimmten Berliner Sekundarschulen praxisorientiertes Lernen für Schülerinnen und Schüler ohne gesicherten Schulabschluss anbietet, sowie mit dessen Verhältnis zu den Bildungsgängen IBA-Klassik, IBA-Praxis und dem geplant neuen 11. Pflichtschuljahr. Die Fragestellerin möchte wissen, an welchen Schulen das Produktive Lernen angeboten wird, nach welchen Kriterien Schülerinnen und Schüler zugeordnet werden und welche inhaltlichen Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen den genannten Bildungsgängen bestehen.
👥 Wer ist betroffen?
Betroffen sind Schülerinnen und Schüler der 9. und 10. Jahrgangsstufe an Integrierten Sekundarschulen, Gemeinschaftsschulen und Schulen mit sonderpädagogischem Förderschwerpunkt in Berlin, bei denen am Ende der 8. Jahrgangsstufe kein Schulabschluss erreichbar erscheint, sowie die jeweiligen Schulstandorte und die Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie.
🎯 Was wird vorgeschlagen?
Die Fragestellerin erkundigt sich: (1) an welchen öffentlichen Schulen Produktives Lernen oder vergleichbare Praxisklassen angeboten werden und mit wie vielen teilnehmenden Schülerinnen und Schülern pro Standort; (2) nach welchen Kriterien Schülerinnen und Schüler zugeordnet werden und welche Ziele damit verfolgt werden; (3) welche inhaltlichen und pädagogischen Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen Produktivem Lernen, IBA-Praxis, IBA-Klassik und dem geplanten 11. Pflichtschuljahr bestehen; (4) bis (6) welche Erkenntnisse aus dem Produktiven Lernen in die Entwicklung von IBA-Praxis, IBA-Klassik und das 11. Pflichtschuljahr eingeflossen sind; (7) in welcher Form das Curriculum des Instituts für Produktives Lernen in Europa (IPLE) bei diesen Konzeptionen berücksichtigt wurde.
🔎 Was wurde geantwortet?
Die Senatsverwaltung antwortet, dass es derzeit keine Praxisklassen an öffentlichen Berliner Schulen gibt; deren Einrichtung ist für das Schuljahr 2026/2027 geplant. Im Schuljahr 2025/2026 nahmen an 21 aufgelisteten Schulen insgesamt mehrere hundert Schülerinnen und Schüler am Produktiven Lernen teil, mit Teilnehmerzahlen je Standort zwischen 4 (Prignitz-Schule) und 46 (Paul-Schmidt-Schule). Über die Teilnahme am Produktiven Lernen entscheidet die Klassenkonferenz bzw. der Jahrgangsausschuss am Ende der 8. Jahrgangsstufe, sofern ein Schulabschluss gefährdet erscheint und die Schülerin bzw. der Schüler Teilnahmebereitschaft zeigt. Laut Senatsverwaltung wurde das Produktive Lernen ab 2003/2004 nach einem Schulversuch als Teil des Dualen Lernens eingeführt und richtet sich an Schülerinnen und Schüler der 9./10. Jahrgangsstufe, die noch vor einem Schulabschluss stehen. IBA Vollzeit wurde nach einem Schulversuch (2015–2019) im Jahr 2019 als Regelbildungsgang für Jugendliche ohne Berufsausbildungsverhältnis und ohne Berufsabschluss nach der Schulpflicht eingeführt; IBA-Praxis wurde 2023/2024 konzipiert und mit dem Schuljahr 2025/2026 eingeführt. Laut Senatsverwaltung flossen in die Entwicklung von IBA-Praxis und das 11. Pflichtschuljahr Arbeitsergebnisse multiprofessioneller Arbeitsbündnisse, Erfahrungen aus IBA Vollzeit sowie aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse und KMK-Empfehlungen ein; in IBA Vollzeit flossen Erkenntnisse aus dem Berliner Schulversuch „Integrierte Berufsausbildungsvorbereitung“ sowie die KMK-Empfehlung vom 10.10.2013 ein. Zum Curriculum des IPLE macht die Antwort keine Angabe eines direkten Einflusses, sondern verweist auf die genannten anderen Grundlagen.
⚡ Einordnung
Die Anfrage wurde von der Abgeordneten Klara Schedlich (Bündnis 90/Die Grünen) am 30. Juni 2026 eingereicht; die Antwort der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie liegt vor und datiert vom 20. Juli 2026, unterzeichnet in Vertretung von Christina Henke. Die Antwort nennt konkrete Teilnehmerzahlen für 21 Schulstandorte im Schuljahr 2025/2026 sowie Einführungsjahre der Bildungsgänge (Produktives Lernen 2003/2004, IBA Vollzeit 2019, IBA-Praxis Schuljahr 2025/2026) und verweist auf die KMK-Empfehlung vom 10.10.2013 als Grundlage für IBA Vollzeit.