📄 Unterstützung für Überlebende von Terroranschlägen II
📋 Worum geht es?
Die Anfrage befasst sich mit der Unterstützung von Überlebenden von Terroranschlägen und Großschadensereignissen in Berlin. Im Mittelpunkt stehen die Arbeitsweise der Zentralen Anlaufstelle (ZA), die Rolle des Fallmanagements beim Landesamt für Gesundheit und Soziales (LAGeSo), psychosoziale Akuthilfen sowie der Umgang mit Beschwerden Betroffener.
👥 Wer ist betroffen?
Betroffen sind Überlebende und Angehörige von Terroranschlägen und Großschadensereignissen in Berlin, die Zentrale Anlaufstelle (ZA), das LAGeSo mit seinem Fallmanagement und Ärztlichen Dienst, die Senatsverwaltung für Arbeit, Soziales, Gleichstellung, Integration, Vielfalt und Antidiskriminierung sowie Opferhilfeorganisationen wie der Weiße Ring und die Opferhilfe Berlin e.V.
🎯 Was wird vorgeschlagen?
Die Fragesteller wollen unter anderem wissen: ob digitale Informationsangebote für traumatisierte Betroffene ausreichen oder eine proaktive Kontaktaufnahme nötig ist; wie die ZA sicherstellt, dass sie sich tatsächlich proaktiv und zeitnah bei Betroffenen meldet; wie Betroffene auch ohne aktivierten Krisenstab zeitnah über Akuthilfen informiert werden; warum nicht alle Betroffenen proaktiv auf den Opferbeauftragten hingewiesen werden; wie viele Fallmanager*innen in den letzten fünf Jahren zugeteilt wurden und wie Erreichbarkeit bei Urlaub/Krankheit sichergestellt wird; welche psychologischen Behandlungsmöglichkeiten abseits von Traumambulanzen bestehen; wie informelle Beschwerden beim LAGeSo bearbeitet werden; wie der Senat den Bericht einer Überlebenden des Anschlags von Halle über eine belastende Begutachtung bewertet und ob er Konsequenzen zieht; wie Mitarbeitende des LAGeSo für die Situation der Antragstellenden geschult werden; und wie der fachliche Austausch zwischen Senatsverwaltung, LAGeSo und Opferschutzakteuren organisiert ist.
🔎 Was wurde geantwortet?
Die Landesregierung antwortet, dass die 2018 eingerichtete Zentrale Anlaufstelle (ZA) proaktiv Kontakt zu Betroffenen aufnimmt, wobei die Polizei Berlin auf Grundlage des Psychosoziales Notfallversorgungsgesetzes (PSNVG) die notwendigen Daten übermittelt. Der Landesopferbeauftragte steht Betroffenen aller Straftaten zur Verfügung, fungiert bei Terroranschlägen aber nicht als zusätzliche Anlaufstelle, um Doppelstrukturen zu vermeiden. Seit Einführung des Fallmanagements vor vier Jahren haben laut LAGeSo 1.129 Betroffene ein Beratungsangebot erhalten; derzeit stehen fünf Fallmanager*innen mit eigenem Diensttelefon zur Verfügung, die Beratungshotline ist werktags von 8:30 bis 19:00 Uhr erreichbar, bei Abwesenheiten gibt es Vertretungsregelungen. Das LAGeSo räumt ein, dass einzelne Betroffene Erreichbarkeit und personelle Wechsel als belastend empfinden. Als ergänzende psychosoziale Unterstützung werden Notfallseelsorge Berlin, DRK, Johanniter-Unfall-Hilfe, Berliner Krisendienst, Weißer Ring, Opferhilfe Berlin e.V., Domseelsorge, Krisenintervention der Krankenhäuser und der Sozialpsychiatrische Dienst genannt. Beschwerden – auch informelle – werden laut Senat über ein zentrales Beschwerdemanagement sowie eine benannte Koordinationsperson im zuständigen Referat bearbeitet. Zum konkreten, von der taz berichteten Fall einer Überlebenden des Anschlags in Halle erklärt der Senat, dass weder der Fachaufsicht noch dem Begutachtungsreferat oder der Beschwerdestelle des LAGeSo eine offizielle Beschwerde dazu bekannt sei; ärztliche Begutachtungen erfolgten nach AWMF-Leitlinien und der Versorgungsmedizinverordnung, mit jährlicher Fortbildung im Herbst über das Bundesministerium für Arbeit und Soziales. Fortbildungen für Fallmanagement und Ärztlichen Dienst umfassen laut Senat traumasensible Kommunikation, Gesprächsführung, Opferentschädigungsrecht, Gewaltschutz und Deeskalation durch interne und externe Träger; eine statistische Erfassung der Fortbildungen erfolgt nicht. Der fachliche Austausch zwischen Senatsverwaltung und LAGeSo findet laut Antwort in der Regel monatlich statt, ebenso ein monatlicher Jour-Fix auf Leitungsebene; mit dem Weißen Ring findet ein jährlicher, mit der Opferhilfe Berlin e.V. ein drei- bis viermal jährlicher Austausch statt.
⚡ Einordnung
Die Anfrage wurde von den Abgeordneten Dr. Klaus Lederer und Carsten Schatz (Die Linke) am 2. Juli 2026 eingereicht, die Antwort des Senats datiert vom 21. Juli 2026. Der Senat verweist mehrfach auf eine frühere Schriftliche Anfrage Nr. 19/24158 vom 15.10.2025. Als Zahl wird genannt, dass seit Einführung des Fallmanagements vor vier Jahren 1.129 Betroffene ein Beratungsangebot erhalten haben und derzeit fünf Fallmanager*innen im Einsatz sind. Der im Dokument erwähnte taz-Bericht vom 09.10.2025 über eine Überlebende des Anschlags in Halle ist eine von den Fragestellern angeführte Quelle; der Senat gibt an, dass ihm dazu keine offizielle Beschwerde bekannt sei.