📄 Vorkommen, Einträge und Umgang mit PFAS in Berlin
📋 Worum geht es?
Die Anfrage behandelt das Vorkommen von PFAS (per- und polyfluorierten Alkylsubstanzen) in Berliner Gewässern, Trinkwasser, Böden und Lebensmitteln sowie den Umgang mit PFAS-Einträgen, etwa durch Betriebe, Feuerwehr-Löschschäume und Pflanzenschutzmittel. Außerdem geht es um Entsorgung von PFAS-belastetem Filtermaterial und die Zusammenarbeit mit Bund, EU und Brandenburg.
👥 Wer ist betroffen?
Berliner Wasserbetriebe (BWB), die Berliner Feuerwehr, Betriebe mit Emissionsgenehmigungen, Landwirtschaft, sowie Nutzer von Trinkwasser und Oberflächengewässern in Berlin (u.a. Panke, Teltowkanal, Spree, Havel, Müggelsee, Flughafensee).
🎯 Was wird vorgeschlagen?
Die Fragestellerin fragt unter anderem: Welche Erkenntnisse liegen zur PFAS-Belastung von Trinkwasser und Gewässern vor? Gibt es neue Erkenntnisse zum PFAS-Schaden am Wasserwerk Tegel? Welche Betriebe emittieren PFAS/TFA und wie werden Emissionen erfasst? Wie werden PFAS bei Genehmigungsverfahren berücksichtigt? Wie ist der Stand des Austauschs PFAS-haltiger Löschschäume bei der Feuerwehr, und gibt es gesundheitliche Auffälligkeiten bei Feuerwehrkräften? Welche PFAS-haltigen Pflanzenschutzmittel sind zugelassen? Welche Erkenntnisse gibt es zu PFAS in landwirtschaftlichen Böden und in Fischen/Amphibien/Wassertieren? Welche Maßnahmen plant der Senat zur Einschränkung von PFAS-Produkten? Gibt es Fördermittel zur Unterstützung bei PFAS-Sanierung? Was passiert mit gefiltertem PFAS-Material? Wie arbeitet der Senat mit Bund, EU und Brandenburg zusammen?
🔎 Was wurde geantwortet?
Die Antwort der Landesregierung liegt vor. Zentrale Angaben: In Berliner Oberflächengewässern werden die Trinkwasserverordnungs-Grenzwerte für PFAS-20 (0,1 µg/l) und PFAS-4 (0,02 µg/l) eingehalten. Die BWB nennen konkrete Werte: Zufluss nach Berlin ca. 0,8-1,2 ng/L PFAS-4 bzw. 3,5-6,4 ng/L PFAS-20 (2024-Juni 2026); im Abfluss (Unterhavel) rund 3-mal höhere Werte; Panke 9,8 ng/L PFAS-4 / 35 ng/L PFAS-20; Flughafensee mit 42 ng/L PFAS-4 / 87 ng/L PFAS-20 am höchsten. In allen 9 Berliner Wasserwerken ist PFAS im Reinwasser nachweisbar, Grenzwerte werden aber eingehalten; das Wasserwerk Tegel kann wegen PFAS-Schadens aktuell nur mit ca. 60% Leistung fördern. Zum neuen PFAS-Schaden an der Ostgalerie Tegel gibt es keine weiteren Erkenntnisse zum Eintragsgrundstück. Dem Senat sind keine PFAS/TFA emittierenden Betriebe in Berlin bekannt. Die Berliner Feuerwehr hat PFAS-haltige Löschschäume bereits 2000-2005 vollständig durch fluorfreie Mittel ersetzt; keine bekannten Gesundheitsfälle durch Exposition. Bundesweit sind rund 140 von 1.112 zugelassenen Pflanzenschutzmitteln PFAS-haltig; dem Senat liegen keine Daten zur tatsächlichen Anwendung in Berlin vor. Zu PFAS in landwirtschaftlichen Böden liegen keine Daten vor. Es gibt keine Fördermittel für PFAS-Sanierung; Sanierungen können nach Bundes-Bodenschutzgesetz dem Verursacher angeordnet werden. Laut BWB wird PFAS-beladene Aktivkohle durch thermische Nachverbrennung bei über 1200°C vollständig zerstört. Berlin koordiniert eine PFAS-Ad-hoc-AG von LAWA/LABO, die einen Bericht für die Umweltministerkonferenz Herbst 2026 erstellt, sowie regelmäßigen Austausch mit Brandenburg. Fischproben aus Unterhavel und Müggelsee werden jährlich auf PFAS untersucht; Daten für 2023-2025 liegen in einer Anlage vor, Daten für 2026 noch nicht.
⚡ Einordnung
Eingereicht von der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen (Abgeordnete June Tomiak), eingegangen am 3. Juli 2026, Antwort der Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt vom 20. Juli 2026 liegt vor. Es wird auf die frühere Drucksache 19/25071 (Antwort zu Frage 4) verwiesen. Der Antwort liegt eine Stellungnahme der Berliner Wasserbetriebe zugrunde. Grenzwerte: TrinkwV 2023 PFAS-20 0,1 µg/l (gültig ab 12.01.2026), PFAS-4 0,02 µg/l (gültig ab 12.01.2028); Biota-UQN 9,1 µg/kg gemäß WRRL/OGewV 2016 für PFOS. Ab 2027 ist laut Senat die Aufnahme von PFAS ins Kontrollprogramm Futtermittel geplant.