📄 Extreme Hitzeereignisse – Wie resilient ist der Berliner Nahverkehr und seine Infrastruktur gegenüber den Folgen des Klimawandels?
📋 Worum geht es?
Die Anfrage befasst sich mit den Auswirkungen der extremen Hitzetage vom 26. bis 28. Juni 2026 mit Temperaturen von rund 40°C auf den Berliner Nahverkehr. Die Fragestellerinnen wollen wissen, wie Fahrzeuge, Schienen, Stellwerke und andere Infrastruktur auf solche Extremereignisse reagierten und welche Temperaturgrenzen für den sicheren Betrieb gelten.
👥 Wer ist betroffen?
Betroffen sind die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG), die Deutsche Bahn AG (S-Bahn und Regionalverkehr DB Regio Nordost), die Ostdeutsche Eisenbahn GmbH (ODEG), die Niederbarnimer Eisenbahn AG (NEB) sowie Fahrgäste im Berliner und Brandenburger Nahverkehr.
🎯 Was wird vorgeschlagen?
Die Fragestellerinnen fragen: 1) Welche Auswirkungen hatte die Hitze vom 26.-28.6.2026 auf Fahrzeugausfälle, Infrastrukturstörungen, Langsamfahrstellen und sonstige Einschränkungen bei BVG, S-Bahn und beauftragten Nahverkehrsunternehmen? 2) Welche Höchsttemperaturen wurden in Fahrgasträumen, U-Bahn-Tunneln, Bahnsteigen und Betriebswerkstätten gemessen, bzw. werden inzwischen Messungen angeordnet? 3) Welche Temperaturgrenzen gelten für einzelne Fahrzeugbaureihen und Infrastrukturelemente (Schienen, Weichen, Stromversorgung, Stellwerke, Tunneltechnik), und ab welchen Temperaturen greifen betriebliche Einschränkungen oder Sicherheitsmaßnahmen?
🔎 Was wurde geantwortet?
Die Landesregierung antwortet unter Einbeziehung von Stellungnahmen der BVG, DB AG, ODEG, NEB und VBB. Laut BVG blieben Infrastruktur und Fahrzeuge weitgehend stabil; es gab eine Gleisschleifung auf der Bernauer Straße (ca. 600m), eine Gleisverwerfung in der Seelenbinder Straße und Signalstörungen zwischen Hallesches Tor und Warschauer Straße (U1, U3). Bei Elektrobussen traten vermehrt Warnmeldungen zur Batteriekühlung auf, die Zuverlässigkeit lag laut BVG trotzdem über 98%; bei Diesel- und Elektrobussen gab es witterungsbedingt mehr Klimaanlagenstörungen. Laut DB AG traten bei der S-Bahn im Hitzefenster täglich über 40 Fahrzeugstörungen auf (gegenüber ca. 20 im Monatsdurchschnitt Juni 2026), vorwiegend an der Türsteuerung; Infrastrukturstörungen gab es laut DB AG keine. Bei DB Regio Nordost mussten einzelne Lokomotiven Kühlpausen einlegen, Klimaanlagen schalteten sich teils zum Selbstschutz ab. Laut NEB fielen Dieselfahrzeuge ab 16 Uhr wegen Überlastung der Klimaanlage aus, während Batterie- und Wasserstoff-Triebwagen (BEMU/HEMU) die Hitze gut überstanden; es kam zu einer Gleisverwerfung auf der RB60 zwischen Seelow und Frankfurt, deren Behebung von einem späteren Stellwerkausfall überlagert wurde. Zu Frage 2 teilen BVG, DB AG und ODEG mit, dass keine systematischen Temperaturmessungen in Fahrgasträumen, Werkstätten oder auf Bahnsteigen erfolgen; bei den S-Bahn-Baureihen 483/484 wird die Innentemperatur über die Klimaanlagensteuerung erfasst (Solltemperatur 32°C bei 40°C Außentemperatur). Zu Frage 3 nennt die BVG für neue Urbanliner eine Auslegung bis +45°C Lufttemperatur und für elektrische Betriebsmittel bis +70°C; Straßenbahnweichen arbeiten laut BVG bis 70°C Bauteiltemperatur zuverlässig. Für die S-Bahn-Baureihen 483/484 gelten laut DB AG Auslegungstemperaturen von -20°C bis +40°C (Komponenten) bzw. -25°C bis +45°C (sicherheitsrelevante Teilsysteme) nach den Ausschreibungsvorgaben der Länder Berlin und Brandenburg sowie DIN EN 14750 für Klimazone II. Die älteren Baureihen 480/481 haben laut DB AG keine festgelegten Temperaturgrenzwerte und sollen nach aktueller Planung bis maximal 2036 im Einsatz bleiben. Die ODEG führt für ihre Fahrzeuge TSI-Temperaturklassen an (z.B. T3: -25°C bis +45°C für Desiro HC; T1: -25°C bis +40°C für Desiro ML und LINT54).
⚡ Einordnung
Die Anfrage wurde von den Abgeordneten Antje Kapek und Oda Hassepaß (Bündnis 90/Die Grünen) am 16. Juli 2026 eingereicht; die Antwort des Senats datiert vom 3. August 2026. Die Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt weist darauf hin, dass sie Teile der Fragen nicht aus eigener Zuständigkeit beantworten kann und daher Stellungnahmen von BVG, DB AG, ODEG, NEB und VBB eingeholt hat, die in die Antwort eingeflossen sind. Die im Dokument genannten Zahlen und technischen Grenzwerte stammen jeweils aus den zitierten Stellungnahmen der genannten Unternehmen.