📄 Berliner Hitzetote 2026 – Was tut der Senat?
📋 Worum geht es?
Die Anfrage bezieht sich auf Berichte des Robert-Koch-Instituts, nach denen bis Mitte Juli 2026 in Berlin fast 200 Menschen an Hitzeereignissen verstorben sind, davon knapp 120 in den letzten beiden Juniwochen. Die Fragestellerin will wissen, wie sich die Krankenhauseinlieferungen in diesem Zeitraum entwickelt haben und welche Akutmaßnahmen der Senat und andere Behörden zum Hitzeschutz ergriffen haben.
👥 Wer ist betroffen?
Betroffen sind die Berliner Bevölkerung allgemein, insbesondere ältere Menschen, Pflegeheimbewohner, obdach- und wohnungslose Menschen sowie Beschäftigte von Polizei und Feuerwehr im Außendienst.
🎯 Was wird vorgeschlagen?
Die Fragestellerin fragt unter anderem: Wie bewertet der Senat die RKI-Zahlen zu Hitzetoten? Wie veränderten sich Krankenhauseinlieferungen in der 25./26. Kalenderwoche gegenüber der 23./24. KW bzw. dem Vorjahr? Wie viele Fälle wurden nach ICD-10 Kategorie T67 erfasst? Welche Akutmaßnahmen aus dem Hitzeaktionsplan wurden ergriffen? Welche anderen Organisationen wurden aktiv? Welche Beschwerden gab es aus Pflegeheimen zu Hitze? Wurde das DWD-Hitzewarnsystem genutzt und wurde ein Großschadensereignis erklärt? Tagten die zuständigen Netzwerke (AG Hitzeschutz, Aktionsbündnis)? Wer ist Ansprechpartner für Geschädigte? Welche Zuwendungen gibt der Senat jährlich für Hitzeschutz aus?
🔎 Was wurde geantwortet?
Der Senat antwortet, dass ihm keine berlinweiten Daten zu allen Krankenhauseinlieferungen vorliegen, jedoch zeigt die Auswertung des Rettungsdienstes (IVENA), dass es in der 25./26. KW 2026 insgesamt 14.030 Zuweisungen gab (821 mehr als in der 23./24. KW mit 13.209). Der Anteil hitzebedingter Zuweisungen (Hitzeerschöpfung/Hitzschlag, Exsikkose, Synkope/Kollaps) stieg von 5,3 % (696 Personen) in der 23./24. KW auf 8,8 % (1.233 Personen) in der 25./26. KW. Eine Auswertung nach ICD-10-Code T67 liegt mangels gesetzlicher Grundlage für Datenabruf aus Krankenhäusern nicht vor. Der Hitzeaktionsplan wurde am 25. November 2025 vom Senat beschlossen; kurzfristig umgesetzt wurden die Bärenhitzekampagne, das Hitzeschutzportal, die Öffnung kühler Räume sowie der Einsatz von zwei Polizei-Wasserwerfern zur Abkühlung. Die Heimaufsicht erhielt 2026 bislang 11 Beschwerden in stationären Pflegeeinrichtungen, 5 in Pflege-Wohngemeinschaften und 1 in einer Einrichtung der Eingliederungshilfe mit Beschwerdegrund 'Hitze'. Zwischen dem 15. und 30. Juni 2026 wurden an 8 Tagen DWD-Hitzewarnungen ausgerufen; der Senat nutzt das Hitzewarnsystem. Ein Großschadensereignis wurde nicht ausgerufen, da die Voraussetzungen nach § 1 Abs. 2 des Berliner Katastrophenschutzgesetzes nicht vorlagen. Das Aktionsbündnis Hitzeschutz tagt halbjährlich (zuletzt Frühjahr 2026), die AG Hitzeschutz monatlich zum regulären Termin. Für Geschädigte von Hitzeereignissen gibt es keine spezifischen Anspruchsgrundlagen, es gelten die allgemeinen Vorschriften. Für den Doppelhaushalt 2026/2027 sind Zuwendungen für Hitzeschutzmaßnahmen in Kitas und Begegnungsstätten vorgesehen (Einzelplan 07, Kapitel 0710, Titel 68478); für obdachlose Menschen wurden 2026 rund 370.000 € umgesetzt.
⚡ Einordnung
Die Anfrage wurde von der Abgeordneten Linda Vierecke (SPD) am 15. September 2026 eingereicht; die Antwort des Senats (Senatsverwaltung für Wissenschaft, Gesundheit und Pflege) datiert vom 1. Oktober 2026. Der Senat verweist auf den am 25. November 2025 beschlossenen Hitzeaktionsplan Berlin sowie auf § 1 Absatz 2 des Katastrophenschutzgesetzes des Landes Berlin als Rechtsgrundlage für die Entscheidung gegen ein Großschadensereignis. Konkrete Zahlen nennt der Senat zu Rettungsdienst-Zuweisungen (14.030 bzw. 13.209), zum Anteil hitzebedingter Fälle (8,8 % bzw. 5,3 %), zu Heimaufsichtsbeschwerden (11, 5, 1) sowie zu Haushaltsmitteln (rund 370.000 € für obdachlose Menschen 2026, Titel 68478 im Doppelhaushalt 2026/2027).