❓ Drucksache 19/441
📋 Worum geht es?
Die Kleine Anfrage behandelt das Management und die Lebensraumvernetzung von Rotwild in Rheinland-Pfalz. Hintergrund ist die Besorgnis, dass natürliche Wanderkorridore des Rotwildes zunehmend durch Straßen, Bahntrassen, Windkraftanlagen, Freiflächen-Photovoltaikanlagen und andere Infrastrukturvorhaben zerschnitten werden. Besonders problematisch sind festgelegte rotwildfreie Gebiete, die Wanderbewegungen einschränken und Populationen isolieren, was zu genetischer Verarmung führen kann.
👥 Wer ist betroffen?
Rotwild-Populationen in Rheinland-Pfalz, Förster und Jagdausübende, Naturschutzverbände, Betreiber von Windkraft- und Solaranlagen, Gemeinden und Landkreise bei Genehmigungsverfahren
🎯 Was wird vorgeschlagen?
Der Abgeordnete stellt sieben Fragen: (1) Wie hat sich die Fläche rotwildfreier Gebiete seit 2021 entwickelt? (2) Welche Konzepte zur wildökologischen Raumplanung verfolgt die Landesregierung? (3) Welche Rotwildwanderkorridore sind bekannt und welche Monitoring-Maßnahmen wurden durchgeführt? (4) Welche wissenschaftlichen Erkenntnisse zur genetischen Verarmung liegen vor? (5) Wie werden Wanderkorridore bei Windkraft- und Solaranlagen-Genehmigungen berücksichtigt? (6) Wie viele solcher Anlagen befinden sich in oder neben Wanderkorridoren? (7) Was ist über Auswirkungen von Freizeitnutzung (Mountainbiking, Geocaching, Outdoorevents) auf das Rotwild bekannt?
🔎 Was wurde geantwortet?
Die Landesregierung antwortet wie folgt: (1) Die rotwildfreien Gebiete blieben 2021–2025 konstant; 2026 verringerten sich diese aufgrund einer Anpassung um etwa 760 Hektar (ca. 0,04% der Landesfläche). (2) Die Gesetzlichen Regelungen sollen Schäden reduzieren und Wanderbewegungen ermöglichen; der Biotopverbund spielt eine zentrale Rolle. (3) Es existieren verschiedene Untersuchungen (Landesbetrieb Mobilität 2020, Arbeitskreis Wildtierkorridore seit 2004), aber diese haben nur eingeschränkte Relevanz für Rotwild, da sich dieses nicht nur in Wäldern bewegt. (4) Eine genetische Studie der Universität Trier (2009–2012) zeigte, dass Rheinland-Pfälzer Rotwildpopulationen hohe genetische Vielfalt aufweisen und keine negativen Inzucht-Effekte zeigen. (5) Bei Windkraftanlagen werden Forstamt und Naturschutzbehörde eingebunden; bei Freiflächen-Photovoltaik sind bekannte Wanderkorridore als öffentlicher Belang zu berücksichtigen. (6) Konkrete Zahlen zu Anlagen in oder neben Wanderkorridoren werden nicht genannt. (7) Untersuchungen der FAWF deuten darauf hin, dass Auswirkungen von Freizeitaktivitäten auf genetischen Austausch vernachlässigbar sind.