❓ Ernteausfälle durch Hitze und Dürre in der Thüringer Landwirtschaft 2026 – wirtschaftliche Folgen, Liquiditätshilfen und Nutzung europäischer Kriseninstrumente – Teil I
📋 Worum geht es?
Die Anfrage behandelt die Auswirkungen von Hitze und Trockenheit im Jahr 2026 auf die Thüringer Landwirtschaft. Die Fragesteller verweisen auf Berichte der Thüringer Allgemeine und weiterer Regionalzeitungen vom 16. August 2026 über Ertrags- und Qualitätsverluste bei Ackerkulturen sowie eine angespannte Futterversorgung in der Tierhaltung. Die Landesregierung antwortet mit Daten des Landesamtes für Statistik und des Landesamts für Landwirtschaft und Ländlichen Raum (TLLLR).
👥 Wer ist betroffen?
Landwirtschaftliche Betriebe in Thüringen, insbesondere Ackerbau-, Verbund- und Futterbaubetriebe sowie Betriebe mit grünlandbasierter Tierhaltung. Betroffen sind auch Verbraucher über mögliche Preisentwicklungen bei Getreide, Brot, Fleisch, Milchprodukten, Kartoffeln und Zucker.
🎯 Was wird vorgeschlagen?
Die Fragesteller erkundigen sich nach: 1) den Erkenntnissen zu den Auswirkungen von Hitze und Trockenheit 2026 auf die Thüringer Landwirtschaft nach Landkreisen, Kulturarten und Ertragseinbußen; 2) der voraussichtlichen Erntemenge 2026 im Vergleich zu 2025 und zum mehrjährigen Durchschnitt; 3) den Auswirkungen auf die Tierhaltung hinsichtlich Futterversorgung und Wasserversorgung; 4) der Anzahl von Betrieben, die in ihrer Liquidität oder Existenz gefährdet sind; 5) der Datengrundlage für diese Einschätzung; 6) Schätzungen zu wirtschaftlichen Schäden und Einkommensverlusten; 7) möglichen Auswirkungen auf Erzeuger- und Verbraucherpreise.
🔎 Was wurde geantwortet?
Die Landesregierung antwortet mit konkreten Zahlen: Die Getreideernte 2026 lag laut vorläufigem Ergebnis der Besonderen Ernte- und Qualitätsermittlung (BEE) bei einem Durchschnittsertrag von 69,8 dt/ha, 8,5 Prozent unter dem Vorjahr und 1,7 Prozent unter dem Mittel 2020-2025. Die Getreideerntemenge gesamt betrug 2 275 851 Tonnen (-12,0 % zu 2025). Bei Kartoffeln sank der Ertrag auf 250 dt/ha (-34,9 % zu 2025), bei Zuckerrüben auf 600 dt/ha (-19,2 % zu 2025). Laut Landesregierung sind derzeit keine Landwirtschaftsbetriebe in Thüringen bekannt, die durch witterungsbedingte Verluste in ihrer Liquidität oder Existenz gefährdet sind; diese Einschätzung basiert auf der sozioökonomischen Betriebsberatung des TLLLR. Die Umsatzerlöse sollen laut TLLLR-Prognose für Ackerbaubetriebe um 266 Euro/ha LF, für Verbundbetriebe um 230 Euro/ha LF und für Futterbaubetriebe um 149 Euro/ha LF gegenüber dem Referenzzeitraum 2022/23 bis 2024/25 sinken. Bei der Tierhaltung sei die Heu- und Grassilageversorgung in den meisten Betrieben gesichert; für die KULAP-Maßnahme ST wurde eine befristete Ausnahmeregelung zur Beweidung oder Futtergewinnung erlassen. Laut Landesregierung sind aktuell keine signifikanten Preisreaktionen an internationalen Terminmärkten zu beobachten, die Versorgungslage mit Getreide sei gesichert und die Verbraucherpreise seien stabil.
⚡ Einordnung
Die Anfrage wurde von der AfD-Fraktion (Abgeordnete Berger) als Kleine Anfrage 8/3027 vom 18. August 2026 eingereicht. Das Thüringer Ministerium für Wirtschaft, Landwirtschaft und Ländlichen Raum hat sie namens der Landesregierung mit Schreiben vom 2. Oktober 2026 beantwortet. Die Antwort stützt sich auf Daten des Landesamtes für Statistik (TLS), die Besondere Ernte- und Qualitätsermittlung (BEE) mit einem Stichprobenumfang von 435 Auswahlschlägen sowie Betriebsdaten der Testbetriebe des TLLLR. Die Landesregierung verweist zudem auf die Erntebilanz des Deutschen Bauernverbandes vom 18. August 2026, der laut Dokument eine Aufstockung des Düngemittelhilfspakets, eine frühzeitigere Auszahlung der Direktzahlungen sowie eine Reduzierung der Steuerbelastung auf Agrardiesel fordert.