❓ Geplante Schließung des Industriestandorts der Kelvion Brazed PHE GmbH im Altenburger Land
📋 Worum geht es?
Im Mai 2026 wurde bekannt, dass die Kelvion Brazed PHE GmbH ihren Standort Nobitz-Wilchwitz im Altenburger Land bis Ende 2026 schließen und die Produktion nach Sarstedt in Niedersachsen verlagern will. Die Fragesteller weisen darauf hin, dass dort noch 2024 und 2025 Grundstücke erworben und Bauleitplanung für Erweiterungsflächen betrieben wurden und dass im Januar 2026 ein Mehrheitserwerb der Kelvion-Gruppe durch von Apollo Global Management verwaltete Fonds erfolgte, bevor wenige Monate später die Schließung angekündigt wurde. Die Landesregierung beantwortet die Anfrage zu Kenntnisstand, Gesprächen, Fördermitteln und möglichen Gegenmaßnahmen.
👥 Wer ist betroffen?
Rund 250 bis 300 Beschäftigte am Standort Nobitz-Wilchwitz im Altenburger Land, die Kelvion Brazed PHE GmbH, die Kelvion-Gruppe und ihre Eigentümer (Apollo Global Management, Triton), die Gemeinde Nobitz sowie beteiligte Institutionen wie Landesentwicklungsgesellschaft Thüringen, Thüringer Aufbaubank, IG Metall und Agentur für Arbeit.
🎯 Was wird vorgeschlagen?
Die Fragesteller wollten unter anderem wissen: Wann und wie erfuhr die Landesregierung von den Schließungsplänen? Welche Gespräche fanden seit 2024 zwischen Landesregierung, Landesentwicklungsgesellschaft, Thüringer Aufbaubank und Kelvion statt? Welche Gründe nannte das Unternehmen für die Standortentscheidung zugunsten Sarstedts? Liegt eine vergleichende Wirtschaftlichkeitsberechnung vor? Welche Maßnahmen ergriff die Landesregierung zur Standortsicherung? Welche Fördermittel erhielt das Unternehmen seit 2016 und bestehen Rückforderungsansprüche? Welche Kenntnisse bestehen zu Grundstückserwerb und Bauleitplanung 2024/2025? War die Landesregierung in Genehmigungsverfahren eingebunden? Welche Erkenntnisse liegen zur wirtschaftlichen Entwicklung 2020–2026 vor? Gab es Kontakt zur niedersächsischen Landesregierung? Welche Ergebnisse brachten von der CDU Altenburger Land angekündigte Gespräche? Welche Möglichkeiten sieht die Landesregierung, die Schließung zu verhindern? Welche Schlussfolgerungen zieht sie für die Wettbewerbsfähigkeit Thüringens?
🔎 Was wurde geantwortet?
Die Landesregierung erhielt im Mai 2026 durch Unternehmensveröffentlichungen Kenntnis von den Schließungsplänen. Am 12. August 2026 besuchte die Ministerin für Soziales, Gesundheit, Arbeit und Familie das Unternehmen; am 14. August 2026 fand eine Videokonferenz unter Leitung des Wirtschafts-Staatssekretärs mit Kelvion-Geschäftsführung, Betriebsrat, IG Metall, Agentur für Arbeit, Landesentwicklungsgesellschaft und einem potenziellen Investor statt. Der Landesregierung liegen keine über öffentliche Angaben hinausgehenden Informationen zu den Entscheidungsgründen des Unternehmens oder zu einer Standort-Wirtschaftlichkeitsberechnung vor. Das Unternehmen erhielt nach 2016 keine Förderung aus Landesprogrammen; zu Bundes- oder EU-Förderungen liegen keine Kenntnisse vor. Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit wurde der Personalbestand 2024 bis 2025 um rund 100 Mitarbeiter reduziert. Die Landesregierung war nicht in Genehmigungs-, Planungs- oder Förderverfahren zur Standorterweiterung eingebunden. Kontakt zur niedersächsischen Landesregierung bezüglich Sarstedt wurde nicht aufgenommen. Das TMWLLR war an den von der CDU Altenburger Land angekündigten Gesprächen nur am Rande beteiligt, Kelvion war dabei kein Thema. Die Landesregierung sieht sich auf eine unternehmerische Entscheidung beschränkt, bei der sie Angebote unterbreiten, Fördermöglichkeiten prüfen, Gespräche moderieren und Investorensuche unterstützen, aber keine Fortführung erzwingen kann; systematische Untersuchungen zu vergleichbaren Fällen wurden bisher nicht durchgeführt.
⚡ Einordnung
Die Anfrage wurde von den Abgeordneten Prophet und Thomas Hoffmann (AfD) eingereicht; die Antwort der Landesregierung liegt vor, erstellt vom Thüringer Ministerium für Wirtschaft, Landwirtschaft und Ländlichen Raum mit Schreiben vom 2. Oktober 2026 auf die Kleine Anfrage 8/3030 vom 18. August 2026. Die Fragesteller führen an, dass laut Gewerkschaftsvertretern der Standort profitabel sei und Aufträge bis 2027 habe; dies ist als deren Aussage gekennzeichnet, nicht als Feststellung der Landesregierung. Die Landesregierung nennt eine Personalreduzierung um rund 100 Mitarbeiter 2024/2025 nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit sowie konkrete Gesprächstermine am 12. und 14. August 2026. Sie gibt an, dass das Unternehmen seit 2016 keine Landesförderung erhalten hat und dass keine Kenntnisse zu Bundes- oder EU-Förderungen vorliegen.